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Wochenzeitung DIABOLO:
Käfer und Pigmentflecken
„Crossover“: virtuose Doppelschau um Illusion und Wirklichkeit im Stadtmuseum Oldenburg20.09.2018

<i>Wochenzeitung DIABOLO:</i><br />Käfer und Pigmentflecken<br />„Crossover“: virtuose Doppelschau um Illusion und Wirklichkeit im Stadtmuseum Oldenburg

text und fotos  |  BRITTA LÜBBERS

Marina Schulze trifft auf Helmut Lindemann, Malerei auf kinetische Figuren, Täuschung auf Wirklichkeit. Das Ganze ist gekonnt in Szene gesetzt, es verblüfft und klingt auch in den Ohren nach.

„Crossover“ ist ein spezielles Format des Stadtmuseums, um renommierten regionalen Künstlerinnen und Künstlern ein Forum zu bieten. Jährlich treffen zwei Künstler aufeinander, die ihre Werke hier erstmals im Dialog präsentieren. Diesmal fiel die Wahl auf Marina Schulze und Helmut Lindemann. „Im aktuellen Crossover können sich die Besucherinnen und Besucher auf überraschende Seh- und Hörerlebnisse freuen“, kündigt Kuratorin Dr. Sabine Isensee an.
Schon im Eingangsbereich wird deutlich, was gemeint ist: Ein übergroßes Augenpaar wird flankiert von einer gestochen scharf gemalten Käferparade, die geradewegs aus Brehms Tierleben ins Museum gekrochen zu sein scheint. Lindemanns Bestiarium korrespondiert sehr fein mit Schulzes Frauenporträts. Hier die perfekt nachgezeichneten Tiere in skurriler Umgebung – etwa die „Theaterdole“ vor rotem Vorhang – dort die wie herangezoomt wirkenden Nahaufnahmen von Menschenhaut, Pflanzenoberflächen und Lichtspiegelungen. In einem der Großformate zeigt Schulze ihre eigene, ins Riesenhafte vergrößerte Stirn. Jede Pore, jedes Härchen, jeder Pigmentfleck ist sichtbar. Obwohl Marina Schulze nichts Unvertrautes abbildet, wirken die von ihr extrem gesteigerten Oberflächen befremdlich und realistisch zugleich.
Auch Helmut Lindemann irritiert bewusst, indem er seine Motive ungewöhnlich inszeniert. Da ist z.B. der „Flieger“, ein nostalgischer Mann mit selbstgebautem Fluggerät, der abhebt und dabei von einer Möwe und einer riesenhaften Biene umschwirrt wird. Doch verwirren diese Bilder nicht nur, sie sind auch von zauberhafter Poesie.
Marina Schulze wurde 1973 in Delmenhorst geboren, absolvierte zunächst eine Ausbildung zur Schauwerbegestalterin im Oldenburger Modehaus Bruns, studierte dann an der Hochschule für Künste in Bremen und war Meisterschülerin von Karin Kneffel. Arbeitsaufenthalte führten sie nach Reykjavik und New York. Sie beteiligt sich an nationalen und internationalen Ausstellungen und wurde mit zahlreichen Preisen und Stipendien ausgezeichnet.
Helmut Lindemann wurde 1951 in Bremen geboren. Seine Versuche, als Soldat, Jurastudent und Taxifahrer einen „richtigen Beruf“ zu finden, erfüllten ihn nicht. Bis er sich schließlich entschied, seiner Neigung zu folgen und Künstler zu werden. Er absolvierte ein Studium in Freiburg und Berlin und erhielt von 1978 bis 1982 eine Ausbildung bei der Oldenburger Künstlerin Marie Meyer-Glaeseker. Lindemann hatte Lehraufträge an der Carl von Ossietzky Universität, seine Werke werden im In- und Ausland gezeigt.
Nachdem sein Sohn geboren wurde, begann er, Spielzeug zu bauen, woraus sich kinetische Figuren aus Holz, Messing und elektronischen Bauteilen entwickelten. Lindemanns bewegliche und tönende Kunst ist im ersten Stockwerk des Stadtmuseums zu sehen. Man stelle sich hier z.B. vor „Kandinskys Schildkröte“, schon geht es los. Die bunten Holzteile und Messingverstrebungen drehen sich im Kreis, hüpfen auf und ab und machen dabei einen kleinen, schönen Lärm. Im Hintergrund wird ein Holzorchester aktiv, schlägt einen Gitarrenakkord an, pfeift durch ein Rohr. Dieser lustig-emsige Auftritt wird überstrahlt von Marina Schulzes großformatigem Wolkengemälde, das erhaben über allem thront. Ja, diese Gegenüberstellung ist voller Kontraste und passt zugleich sehr gut.

Crossover: Marina Schulze und Helmut Lindemann
9.9. bis 28.10., Stadtmuseum, OL

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