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Wochenzeitung DIABOLO:
Filmfest 2018 Eröffnung13.09.2018

<i>Wochenzeitung DIABOLO:</i><br />Filmfest 2018 Eröffnung

Text und Foto l Christoph Kienemann

Die Herausforderung
Filmfest eröffnet mit Unforgiven -
Die 25. Ausgabe des Oldenburger Filmfestes ist gestartet. In der Weser-Ems-Halle ließ Festival-Chef Torsten Neumann den Film „Unforgiven“ des armenischen Regisseurs Saik Andreasyan über die Leinwand laufen, während sich die Stargäste Keith Carradine und Bruce Robinson dem Oldenburger Publikum auf dem roten Teppich zeigten. Die Eröffnungsgala machte dabei klar, dass der Blick des Filmfestivals auch nach 25. Jahren nach vorne gerichtet sein wird und das Festival es seinem Publikum weiterhin nicht einfach machen will.
Schon 25 Jahre gibt es das Filmfest Oldenburg nun, eigentlich die Zeit, für lange Dankesreden und einen ausführlichen Blick in die Vergangenheit. Doch an einem übertriebenen Rückblick auf die eigene Geschichte hatte Filmfest-Chef Torsten Neumann bei der Eröffnungsgala kein Interesse. Seit 25 Jahren gehe es beim Filmfest darum, dem Oldenburger Publikum die Chance zu geben, Filme abseits des Mainstreams zu entdecken und neue Blickwinkel zu gewinnen. Feierlicher war da schon Jochen Coldewey von der niedersächsischen Filmförderung Nordmedia gestimmt. Das Filmfest übertreffe stets die Erwartungen der Nordmedia in Sachen Programm und Qualität und schaffe es immer wieder, neue Blickwinkel auf die Realität zu eröffnen.
Diese neuen Blickwinkel erforderten aber immer wieder einen offenen Geist beim Publikum des Filmfestes und so darf man den alljährlichen Eröffnungsfilm des Festivals stets auch als eine Herausforderung an das Publikum verstehen. Mit Unforgiven ging das Filmfest dabei durchaus ein Wagnis ein. Zum ersten Mal eröffnete nämlich ein Film das Festival, der nicht in deutscher Sprache verfasst war, sondern in russisch. Am Ende gab es dennoch viel Applaus für Unforgiven. Der Film von Regisseur Sarik Andreasyan erzählt die reale Geschichte des Ingenieurs Vitaliy Kaloev, der bei der Flugzeugkatastrophe von Überlingen seine Familie verliert. Andreasyan zeigt mit eindrücklichen Bildern, wie der Familienvater am Schmerz über den Verlust seiner Familie zerbricht, wie sein Leben in der Zeit eingefroren wird und ihm die Verantwortlichen jegliche Empathie verweigern. Eine Geschichte, die wie für das Kino gemacht ist. Die Kamera bringt das Publikum ganz nah an das Geschehen heran und erlaubt fast schon einen Einblick in die Seele Kaloevs. Der Film lässt sich dabei viel Zeit, seine Geschichte zu erzählen, die Bilder werden behutsam aufgebaut und so steuert die Geschichte auf die zweite menschliche Katastrophe zu, die sich im Leben Kaloevs ereignen sollte. Warum ist dieser geradlinig erzählte Film dennoch eine Herausforderung? Andreasyans Film erlaubt dem Oldenburger Publikum einen tiefen Einblick in die russische Seele und dieser ist vielleicht nicht immer angenehm. Teilweise trieft der Film von emotionalem Kitsch und präsentiert vollkommen antiquierte Rollenbilder, vor allem aber stellt Unforgiven die Frage nach der Gerechtigkeit. Kann der Rechtsstaat Gerechtigkeit wieder herstellen, indem er die Täter verurteilt? Kann eine Entschädigung Gerechtigkeit bringen oder kann nur gleiches mit gleichem vergolten werden? Andreasyan stellt diese Frage und das Publikum wird sie beantworten müssen. Damit hat Torsten Neumann einen Eröffnungsfilm gewählt, der auf ungewöhnliche Weise eine äußerst aktuelle gesellschaftliche Fragestellung aufgreift.


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