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Wochenzeitung DIABOLO:
Wackersdorf
Ein politischer Heimatfilm13.09.2018

<i>Wochenzeitung DIABOLO:</i><br />Wackersdorf<br />Ein politischer Heimatfilm

text  |  Horst E. Wegener

Noch zu Beginn der 1980er Jahre standen Politiker, Industrie und selbst ein Großteil der Bürger in der Bundesrepublik Deutschland der Atomkraft äußerst positiv gegenüber, galt es höchstens das leidige Problem der Standortfrage eines Zwischen- oder Endlagers für atomaren Müll zu lösen.

Einem Machtpolitiker wie dem bayerischen Ministerpräsidenten F.J. Strauß mochte diese Ausgangslage ideal erscheinen, um sich mit der Oberpfalz als der größten Sorgenkindregion des Freistaats einen geeigneten Kandidaten für eine atomare Wiederaufbereitungsanlage auszugucken. Mit dem Hinweis, jede Menge neue Arbeitsplätze in die zum Landkreis Schwandorf gehörende oberpfälzische Gemeinde Wackersdorf zu holen, glaubten die CSUler im fernen München, den zuständigen SPD-Landrat fürs Vorhaben gewinnen zu können. Der das Bauvorhaben repräsentierende Strauß-Vertraute entpuppt sich in Regisseur Oliver Haffners „Wackersdorf“ von Anfang an als derart selbstgefällig-arroganter Widerling, dass man erstaunt zusieht, wie schnell es ihm gelingt, den Landrat Hans Schuierer (Zeiler) zu ködern. Zugegeben: Dem Lokalpolitiker steht ein hitziger Wahlkampf ins Büro, weshalb es ein Leichtes ist, ihm Honig ums Maul zu schmieren. Selbst die Reaktor-Katastrophe im ukrainischen Tschernobyl ist noch nicht passiert – dennoch herrscht Skepsis unter den Wackersdorfern. Auch Schuierer fallen bald Ungereimtheiten und Schwachstellen in der Argumentationskette anreisender Spezialisten und Polit-PRler auf, weshalb er sich schließlich zum schärfsten Kritiker und entschiedenen Gegner der WAA wandelt.
Auch in Wirklichkeit wollte die CSU ihr megalomanes Vorhaben in Wackersdorf ab 1985 mit aller Macht durchdrücken, bis hin zur Rechtsbeugung.  Eine politische Intrige kam in die Gänge, die sich erst durch den Super-GAU in Tschernobyl erfolgreich ausbremsen ließ. Ohne viel Pathos schildert Regisseur Oliver Haffner den Kampf der Oberpfälzer Sturköpfe gegen die Münchner WAA-Pläne, der sich zum Symbol der zivilen Widerstandsbewegung in der BRD auswuchs. Atmosphärisch stimmig rekonstruiert sein Film jene Zeit – und das mitunter eingestreute originale Bildmaterial bettet die Realität gekonnt in die Fiktion um. Gekonnt errichtet „Wackersdorf“ dem mündigen Bürger ein Denkmal, mahnt uns, vorausschauend und wachsam zu bleiben.

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