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Wochenzeitung DIABOLO:
Serie: Künstler von Hier
11 Fragen an … Stephanie Ritterhoff13.09.2018

<i>Wochenzeitung DIABOLO:</i><br />Serie: Künstler von Hier <br />11 Fragen an … Stephanie Ritterhoff

interview und foto  |  Karin Peters

Sticken? – Da denkt man doch gleich an...Röntgenbilder, Straßenpläne, Fotocollagen und poppige Gehirne! Stephanie Ritterhoff bestickt so ziemlich alles, was eben nicht ins Nähkästchen traditioneller weiblicher Textilarbeiten passt. Sie ist freischaffende Künstlerin, ähnlich einer Malerin, doch statt mit dem Pinsel gestaltet sie ihre dreidimensionalen Bilder mit Nadel und Faden. Kunst und Handwerk gehen bei der gelernten Handstickerin eine außergewöhnliche Verbindung ein. „Das coole an der Stickerei ist, man hat so unendlich viele  Ausdrucksmöglichkeiten“, sagt Ritterhoff. Dabei experimentiert sie mit unterschiedlichsten Garnen und Stoffen, arbeitet ungewöhnliche „Fundstücke“ in ihre Werke ein, die sie auf Flohmärkten, Spaziergängen oder verstaubten Dachböden entdeckt. Die alte Tischdecke ihrer Urgroßmutter zum Beispiel diente als Grundlage für den Stadtplan von Leningrad (s. Foto). Bevor sie ihre seltene Profession entdeckte, hat die 1969 in der Wesermarsch geborene Künstlerin in Oldenburg Geschichte, Slawistik und Germanistik studiert und promovierte in historischer Erwachsenenbildung. Bereits ihre erste große Ausstellung im Stadtmuseum mit mehr als vierzig Bildern war ein Erfolg. „Viele Menschen reagieren stark auf Textiles“, stellt sie fest, „fast jeder ist berührt, denn vom ersten bis zum letzten Hemd sind wir von Stoff umgeben.“

DIABOLO: Wie sind Sie zur Stickkunst gekommen?
Ritterhoff: Ich habe schon immer gerne gehandarbeitet, auch, als es total out war. Auch habe ich immer eigene Ideen umgesetzt, vorgegebene Bilder nachzusticken war mir zu dumm. Nachdem ich in meiner ersten Arbeit im Museum keine Zukunft finden konnte, musste ich mich neu orientieren. Ich habe mich entschieden, mein Hobby zum Beruf zu machen. Dafür wollte ich allerdings eine fundierte handwerkliche Ausbildung. Kaum einer weiß, dass der Handsticker bis vor ein paar Jahren ein regulärer Ausbildungsberuf war. Ich habe also einen richtigen Beruf erlernt.
DIABOLO: Was möchten Sie mit Ihrer Kunst bewirken?
Ritterhoff: Ich möchte, dass die klassischen weiblichen textilen Handwerke von ihren klischierten Vorstellungen befreit werden und als selbständiges Medium in der Kunst wahrgenommen werden. Stickerei betrachte ich als ein der Malerei gleichberechtigtes Medium, das dem Stempel des Hobbies noch entfliehen muss.
DIABOLO: Mit welchen Themen setzen Sie sich auseinander?
Ritterhoff: Ich nehme Bestehendes und setze es in einen neuen Kontext, der oft etwas mit der Wahrnehmung und der Zuweisung weiblichen Seins zu tun hat. Ich mag das genaue, detailverliebte Hinsehen, in dem sich neue Dimensionen eröffnen. Dann ist es auch in Ordnung, wenn ein Bild monatelang braucht, bis ich zufrieden bin.
DIABOLO: Wo und wie arbeiten Sie?
Ritterhoff: Ideen und Projekte sammel ich immer und überall. Handy ist klasse mit Foto und Memofunktion. Manchmal dauert es, bis eine Idee mit der richtigen Technik zusammenkommt, manchmal ist die Technik die Leitidee und der Auslöser kommt, wann er will. In der Tat gibt es Momente, in denen ein Stück sich in den Kopf drängt und JETZT gearbeitet werden will, andere Ideen quälen mich scheußlich lange, bis sie ihre Form finden. Mein Atelier habe ich zu Hause, ein Raum für mich alleine, für mich und meine Arbeit.
DIABOLO: Ihre kreative Eigen-Art?
Ritterhoff: Mit der Stickerei als Medium mache ich schon etwas ziemlich Merkwürdiges.  Vielleicht ist die Besonderheit dabei, niemals die Klischeevorstellung von Stickerei zu erfüllen, sondern diese stets zu brechen.
DIABOLO: Ein Höhepunkt in Ihrer bisherigen Arbeit?
Ritterhoff: Die erste eigene Ausstellung im Stadtmuseum Oldenburg, von Mai bis Juli 2018.
DIABOLO: Ein aktuelles Projekt?
Ritterhoff: Ich beschäftige mich mit Röntgenbildern. Die zeigen unsichtbare Strukturen, die unbedingt bearbeitet werden wollen. Kaputtes kann repariert werden, mit Nadel und Faden. Das Innere des Menschen hat noch Verschönerungspotential.
DIABOLO: Wo kann man Ihre Kunst erwerben?
Ritterhoff: Zur Zeit auf meiner website unter www.stephanie-ritterhoff.com.
DIABOLO: Was bedeutet Erfolg für Sie?
Ritterhoff: Mich unabhängig machen von äußeren Vorstellungen und Zuschreibungen, in mir zufrieden sein.
DIABOLO: Wie lebt es sich als Künstlerin in Oldenburg?
Ritterhoff: Zum Glück habe ich ein Atelier zu Hause, sonst könnte ich nicht künstlerisch arbeiten, denn mieten könnte ich mir keins. Es ist nicht leicht, einen Ausstellungsraum zu finden, wenn man noch keinen Namen hat. Ich würde mir wünschen, dass ein Teil des scheußlichen Leerstandes in der Stadt für pop-up-Ateliers genutzt werden könnte. Das würde ermöglichen, sich zu zeigen und die City beleben.
DIABOLO: Ein Wunsch, ein Plan, eine Vision?
Ritterhoff: In Ruhe arbeiten können.

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