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Wochenzeitung DIABOLO:
Serie: Künstler von Hier
11 Fragen an … Michael Olsen08.08.2018

<i>Wochenzeitung DIABOLO:</i><br />Serie: Künstler von Hier <br />11 Fragen an … Michael Olsen

interview und foto  |  Karin Peters

Er schraubt seit achtundvierzig Jahren! Und das nicht nur an Drahteseln, Sargrädern und ruderradelnden Fahrradschiffen – sondern vor allem auch an eingefahrenen Denkmustern und gesellschaftspolitischen  Räderwerken. Michael Olsen ist einer, der für Bewegung steht. Auch, wenn sie mal rückwärts läuft, wie bei seiner Uhren-Installation „time is a fake“ im Innenhof der Kulturetage. Geboren ist der 59jährige Olsen in Hannover. In Oldenburg absolvierte er ein Lehramtsstudium mit den Schwerpunkten Technik und Kunst, sattelte aber später auf Zweiradmechaniker um. Handwerk und Kunst sind für ihn untrennbar verbunden. Er könne seine Hände auch zum Denken benutzen, sagt der seit 1991 freischaffende BBK- Künstler. So fertigt er seine „Kunstbauten“ aus Holz, Stahl, Stein, Kunststoff und jede Menge   Gedankenmaterial. Er ist ein stadtbekannter Künstler, überall dort engagiert, wo es darum geht, kreative Eigeninitiative zu entwickeln. Ob in der Kulturetage, Bauwerkhalle, beim Globe-Kino oder Freifeld-Festival.  

DIABOLO: Wie sind Sie zu Ihrer Kunst gekommen?
Olsen: Ich habe schon sehr früh begonnen, zu schrauben und zu basteln, mich mit Gestaltung zu beschäftigen. Und ich war schon früh ein freier Geist, der sich ungern in Formen pressen ließ und „quer dachte“. Diesen unruhigen Geist und den „Querkopf“ habe ich mir erhalten. Außerdem kämpfte ich etwa 45 Jahre mit schwerem Asthma, ein Kampf gegen atmosphärische und räumliche Enge, oft mit Medikamenten vollgestopft und ans Bett gefesselt. Die Zeit musste also gestaltet, der unruhige Geist mit Nahrung durch Tun versorgt werden. Mein Bett war immer voll mit Dingen zum Basteln, Zeichnen, Lesen und – natürlich – Musikhören. So kam ich dazu, den Alltag, mein Sein und meine Umgebung zu gestalten statt als gegeben hinzunehmen. DIABOLO: Was möchten Sie mit Ihrer Kunst bewirken?
Olsen: Themen ansprechen, Dinge visuell erfassbar machen. Sozialisierte Gewohnheiten und Denk- sowie Bewertungsschemata in Frage stellen und zur Überprüfung derer anregen. Kultur ist für mich ein Medium, ein Mittel zum Zweck, um die Menschen auf Themen zu stoßen, die uns betreffen. Damit ist bildende Kunst zwingend politisch. Um mich als Person geht es nicht.
DIABOLO: Mit welchen Themen setzen Sie sich auseinander?
Olsen: Gegensätze, Miteinander, Spannungen, Gegenwart als Schnittstelle zwischen Vergangenheit und Zukunft, Materialeigenschaften und Erspüren selbiger im gegenseitigen, gern konträren Kontext zueinander. Natürlich betrachte ich auch die alltägliche Politik: Flucht, Wohlstand und Armut, Kapitalismus und das Ausplündern der Welt durch die Industrienationen, das Zerstören der Schöpfung durch diesen Barbaren „homo sapiens sapiens“.  
DIABOLO: Wo und wie arbeiten Sie?
Olsen: Wo? In meinem Kopf, meinem Gefühl, meinem Gespür für all das, was mich umgibt. Nicht denken gibt‘s bei mir nicht – an meinem Schreibtisch der Deutschen Post, in meiner Werkstatt, einer Gaststätte, in der Bahn oder einem der Sättel meiner Fahrräder. Künstlerisches Arbeiten ist kreatives Gestalten und beschränkt sich nicht auf das tätige Tun mit der Hand oder den Fingern! Das Arbeiten beginnt im Kopf, dort ist das Atelier. Die Ideen werden dann in der Werkstatt, in Initiativen und dergleichen umgesetzt.
DIABOLO: Ihre kreative Eigen-Art?
Olsen: Bloß das nicht! Welch schreckliche Vorstellung einer solchen zu unterliegen und dann darauf festgelegt zu sein! Beides würde meine Kreativität, meine Offenheit für Neues und auch Freches einschränken.
DIABOLO: Ein Höhepunkt in Ihrer bisherigen Arbeit?
Olsen: „Höhepunkt“ ist ein Terminus des Leistungsdenkens unserer Zeit. Ich denke nicht „Karriere“ und „Ziel“ oder „Erfolg durch Leistung“. Ich freue mich am Tun, dem Entwickeln, am Einflussnehmen, am Anregen und Gestalten und dem „inspirierenden Querdenken“.  
DIABOLO: Ein aktuelles Projekt?
Olsen: Mit Unterstützung vieler Menschen und Firmen entsteht derzeit das Kunstwerk „time is a fake“. Eine Installation, die sich kritisch mit den Sklaventreibern der Moderne „Zeit“ und „Uhr“ auseinandersetzt. Parallel dazu baue ich gerade „Komplementär“, eine mobile Installation für den öffentlichen Raum, den Straßenverkehr. Dieses Kraft-Fahrzeug behandelt das Thema Fahrrad/Auto in Ballungsgebieten. Und – das freut mich außerordentlich – es wird aus dem Kulturfond der Stadt Oldenburg finanziell gefördert. Außerdem arbeite ich seit 2 Jahren an einem Projekt, das sich mit der Selbstverständlichkeit und Alltäglichkeit des Sterbens und der hiesigen Bestattungskultur auseinandersetzt.
DIABOLO: Wo ist Ihre Kunst zu sehen?
Olsen: An vielen Orten: JVA Oldenburg, eine Sparkasse in Wittmund, Artothek Oldenburg, in Kultureinrichtungen, bei Privatleuten, an vielen Häusern der BRD undundund. Mein künstlerisches Schaffen beschränkt sich jedoch nicht auf solche Kunstwerke. Wie oben erwähnt, bin ich als Künstler auch in und an vielen die Gesellschaft gestaltenden Prozessen beteiligt. Auch das ist Kunst, sind Kunst-Werke – aber nicht sichtbar im Sinne von „zu sehen“.  
DIABOLO: Was bedeutet Erfolg für Sie?
Olsen: Ein schreckliches gesellschaftliches Diktat und für mich unbedeutend. Es geht nicht um dieses Ziel, es ist auf keinen Fall der Motor meines Tuns. Klar, ich freue mich, wenn ein Projekt erfolgt ist, also abgeschlossen ist, meinen Kopf und die Werkstatt verlassen hat. Erfolg ist ein ebensolches Unwort wie Höhepunkt, beide fußen auf den durch die Leistungsgesellschaft erzwungenen Verhaltensdiktaten. Beide vermitteln bösartig, dass „Streben nach...“ Karriere und „weiter – weiter – weiter, schneller und noch schneller“ ein nicht in Frage zu stellendes Muss der Menschheit sind.
DIABOLO: Wie lebt es sich als Künstler in Oldenburg?
Olsen: Oldenburg wird oft zu Unrecht Trägheit vorgeworfen. Critical Mass, Christopher Street Day, Freifeld-Festival, Polygenos und Globe-Genossenschaft... hier tut sich verflixt viel gutes Zeug. Oldenburg pulsiert auf hohem Niveau und ist zugleich sehr Ruhe ausstrahlend. Eine prima Mischung. Diese norddeutsche Ruhe und Gelassenheit tun mir gut, sie bringen mich aber auch manchmal zur Weißglut. Dann nämlich, wenn es Politik, Verwaltung und Bürger im treuen Schulterschluss, leider zu oft, an Mut missen lassen. Oldenburg gibt eine große Basis an Vertrauen und Sicherheit. Ich lebe und arbeite gern  hier. Für einen kulturell aktiven Menschen ist Oldenburg ein gutes Pflaster, er muss aber reichlich dicke Bretter bohren können und Geduld haben.
DIABOLO: Ein Wunsch, ein Plan, eine Vision?
Olsen: Wunsch: Endlich wieder eine Werkstatt, in der ich zugleich leben und wohnen kann. Ständig bin ich zwischen Wohnung, Werkstatt und meiner Lohn-Beschäftigung unterwegs. Das zerlegt mein Schaffen in viele Teile, dieser Zerriss nagt arg an mir. Plan: Oh ja, natürlich! Überraschungen sollen aber solche bleiben. Vision: Dass Oldenburg beim Thema Mobilität mehr Mut entwickelt. Der öffentliche Raum gehört den Menschen, um darin zu leben und nicht den Fahrzeugen, um darin zu fahren.

Kontakt: www.kunstbauten.de

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