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Wochenzeitung DIABOLO:
Serie: Künstler von Hier: 11 Fragen an … Esther Vorwerk04.07.2018



Wer sie an der Seite von Pavel Möller-Lück in „Der Mann, der niemals weinte“ oder in ihrer Eigenproduktion „Und auch so bitterkalt“ erlebt, wird sich ihrem so feinen und sensiblen, überaus nahe gehendem Spiel kaum entziehen können. Mutig und mit großer innerer Beteiligung stellt sie sich Themen, die ihrer Meinung nach „Raum“ bekommen müssen, auch für Traurigkeit. Das Figurentheater bietet ihr hierbei ganz neue und spannende Erfahrungsfelder. Von einer Regisseurin habe sie mal den Spruch gehört „ich mache nur das, was ich nicht kann“ - und so ist auch Esther Vorwerk, die sich selbst als „getrieben“ bezeichnet, stets auf der Suche nach Ausdrucksformen, die es ihr ermöglichen, noch einfühlsamer und präziser in die Schattenwelten ihrer Protagonisten einzutauchen und ihre  Zuschauer auch mit schwierigen Gefühlen nicht allein zu lassen. Als nunmehr festes Ensemblemitglied des Laboratoriums und der Limonadenfabrik lässt diese Künstlerin jedenfalls noch viele Überraschungen erwarten…

DIABOLO: Wie sind Sie zum Theater gekommen?
Vorwerk: Mit 12 stand für mich fest, dass ich Schauspielerin werden und eigene Stücke realisieren wollte. Ich studierte Schauspiel in Salzburg und arbeitete anschließend als Theatermacherin in Berlin. Da ich aus Oldenburg komme, bin ich mit dem Theater Laboratorium aufgewachsen. Dort trat ich schon vor 10 Jahren in der Oper „Dido und Aeneas“ auf.  Daran habe ich mich in Berlin erinnert, als ich über das Buch „Und auch so bitterkalt“ von Lara Schützsack stolperte. Ich wollte diesen Stoff unbedingt auf die Bühne bringen. Mir war schnell klar, dass das am bestem mit Figuren gehen würde. Daher fragte ich Pavel Möller-Lück, ob er Interesse hätte, gemeinsam mit mir eine Adaption des Buches für das Figurentheater zu entwickeln. Er war gerade dabei, die Limonadenfabrik aufzubauen – genau der richtige Ort, um das Stück zur Aufführung zu bringen. Seither entwickele und spiele ich mehrere Stücke am Theater Laboratorium und in der Limonadenfabrik.
DIABOLO: Was möchten Sie mit Ihrer Kunst bewirken?
Vorwerk: Ich war immer auf der Suche nach einem wahrhaften Ausdruck. Ich will Geschichten erzählen, die die Menschen dort abholen, wo sie sich gerade befinden, gedanklich und emotional. Für mich bedeutet Theater Reflexion über die Welt, in der wir leben, sich auf diese Welt zu beziehen, sie auf der Bühne zu be- und verarbeiten. Einen Raum zu schaffen für Emotionen, den es so im Alltagsleben nicht gibt. Menschen zum Träumen, Lachen, Weinen und Nachdenken zu bringen.
DIABOLO: Mit welchen Themen setzen Sie sich auseinander?
Vorwerk: Die Themen, mit denen ich mich auseinandersetze, sind immer stark mit dem verbunden, was mich privat beschäftigt und mir tagtäglich begegnet. Es sind Themen wie Magersucht, Traumatransmission, Bleiberecht aber auch Liebe und familiäre Strukturen und Dynamiken.
DIABOLO: Wo und wie arbeiten Sie?
Vorwerk: Ich arbeite eigentlich überall. Da ich meine Stücke selbst schreibe und entwickele, häufig auch Zuhause oder im Café. Am besten kann ich beim Schwimmen oder Fahrradfahren denken. Ich lese viel zur Recherche, schaue Filme, Performances und gehe in Ausstellungen. Sehr wichtig ist für mich Musik. Durch die Musik komme ich zu den Stimmungen der Situationen, Texte und Ideen, an denen ich gerade arbeite.
DIABOLO: Ihre kreative Eigen-Art?
Vorwerk: Ich arbeite interdisziplinär, sehr persönlich und forschend. Ich spiele keine Rollen, ich erschaffe mir sie selbst. Ich gehe immer vom Inhalt aus, den ich erzählen möchte und suche mir dann die Menschen und Mittel, die ich brauche, um dies umzusetzen. Mir wird gesagt, dass meine Arbeiten intim, fein und tiefgründig seien.  
DIABOLO: Ein Höhepunkt in Ihrer bisherigen Arbeit?
Vorwerk: Ein Höhepunkt meiner Arbeit war die Entwicklung, Produktion und Performance von „White Shadow“. Dies war eine Kollaboration mit dem jüdischen israelischen Schauspieler Itay Ganot in Berlin. Gemeinsam haben wir uns - basierend auf unseren autobiografischen Erlebnissen - mit den Schatten auseinander gesetzt, die uns als dritte Generation nach dem zweiten Weltkrieg noch immer verfolgen. Wir haben das Stück in Deutschland und Israel gespielt und nach jeder Vorstellung eine Gesprächsrunde angeboten. Der Austausch, der daraus entstand, war sehr berührend.
DIABOLO: Ein aktuelles Projekt?
Vorwerk: Aktuell arbeite ich an meinem ersten Stück für Kinder „Der beste Nachmittag der Welt“. Es wird im September in der Limonadenfabrik Premiere haben. Außerdem schreibe ich zur Zeit an einer Webserie mit Markus Wulf und baue gemeinsam mit Anne-Sophie Reichert das Künstlerinnen-Duo „Alaska-Studio for Feelings“ auf.
DIABOLO: Wo ist Ihre Kunst zu sehen?
Vorwerk: Auf der Bühne, dem Papier und manchmal auf der Leinwand und im öffentlichen Raum. Zur Zeit häufig im Theater Laboratorium und in der Limonadenfabrik.
DIABOLO: Was bedeutet Erfolg für Sie?
Vorwerk: Für mich bedeutet Erfolg, den Sinn in dem fühlen zu können, was ich mache. Wenn es mir gelingt, eine Person in Resonanz zu bringen mit meiner Arbeit, ist das mein größter Erfolg.
DIABOLO: Wie lebt es sich als Künstlerin in Oldenburg?
Vorwerk: Es hat für mich zwei Seiten: Einerseits genieße ich die Ruhe, die Natur, die herzlichen, sehr liebevollen Menschen und Umgangsweisen. Ich habe am Theater Laboratorium wirklich ein außergewöhnliches Team und unglaublich tolle Voraussetzungen, mich auszuprobieren und neue Wege zu gehen. Auf der anderen Seite fehlt mir jedoch eine Subkultur in Oldenburg. Es gibt wenig Raum, anzuecken. Auf mich wirkt Oldenburg recht fest in seinen Strukturen. Meiner Meinung nach sollte die Stadt dringend Anreize für junge, kritische Künstler schaffen, um nicht irgendwann zu stagnieren.
DIABOLO: Ein Wunsch, ein Plan, eine Vision?
Vorwerk: Im Kollektiv gleichberechtigt arbeiten und Kunst machen, die in Frage stellt, aneckt, weh tut und gleichzeitig glücklich macht und erfüllt. In einem Team, in dem alle gleichermaßen für das brennen, was sie tun und aufeinander aufpassen. Etwas weiter geben, das Bestand hat.

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