LzO
OLDENBURG
Freitag

25

Mai

X-Cut
FZO Elektra
MoX-DIABOLO Ratgeber

Aktuelles

Wochenzeitung DIABOLO:
Kampf gegen Faktenverdreher
Carl-von-Ossietzky-Preis an Antisemitismusforscherin Deborah Lipstadt verliehen09.05.2018

Text  | Christoph Kienemann

Vor rund 200 Gästen wurde der diesjährige Carl-von-Ossietzky-Preis im Kulturzentrum PFL an die Antisemitismusforscherin Deborah Lipstadt verliehen. Die Historikerin wurde für ihr mutiges und unerschrockenes Engagement gegen Holocaust-Leugnerinnen und ihren Einsatz für Menschenwürde und die Verteidigung der historischen Wahrheit geehrt. Die Laudatio hielt der ehemalige Tagesthemen-Moderator Thomas Roth.

Als Professorin für Moderne jüdische Geschichte und Holocauststudien an der Emory University in Atlanta verbringt Deborah Lipstadt wohl den überwiegenden Teil ihrer Arbeitszeit in Bibliotheken, Hörsälen, vor dem Computer oder mit Büchern. Um so mehr wusste Lipstadt die Auszeichnung mit dem Carl-von-Ossietzky-Preis der Stadt Oldenburg zu schätzen. „Das gibt Kraft und zeigt, dass man mit dem, was man tut, eine Wirkung erzielt“, erklärte Lipstadt anlässlich der Preisverleihung. In den letzten Jahren sei antisemitisches Gedankengut wieder in die Gesellschaft hinein gekrochen, so die Historikerin. Die Leugnung des Holocausts und die Verdrehung historischer Fakten sei als Angriff auf die Demokratie zu sehen. Dadurch werde die „antisemitische Bestie“ gespeist. „Diese Dinge finden niemals isoliert statt“, warnte die 71-Jährige. Besorgniserregend sei zudem, dass Holocaustleugner die Neuen Medien und soziale Netzwerke zu ihrem Vorteil nutzen würden. Es sei leichter geworden, sich gegenseitig zu finden und Hass-Botschaften zu verbreiten. Letzteres sah auch Oberbürgermeister Jürgen Krogmann so: „Das Internet ist eine Plattform, die der Verbreitung von falschen Nachrichten und der Verleugnung historischer Wahrheiten Tür und Tor öffnet.“ Es sei ein großes Verdienst der Carl-von-Ossietzky-Preisträgerin, die gezielte Vermengung von Tatsachen, Meinungen und Lügen zu analysieren, um antidemokratische Haltungen und Strategien transparent zu machen: „Das ist Aufklärungsarbeit im besten Sinne.“
Laudator Thomas Roth stellte die Verdienste der New Yorkerin im Kampf gegen Holocaustleugner in den Mittelpunkt seiner Würdigung. Lipstadt erlangte durch den Prozess gegen den englischen Historiker David Irving internationale Bekanntheit. Im Jahr 2000 fällte der Londoner High Court sein Urteil, nach monatelanger Auseinandersetzung mit den historischen Details des Holocausts. Letztere sei für den selbst ernannten Historiker Irving vernichtend gewesen und habe erwiesen, dass diese ein antisemitischer Lügner und Faktenverdreher sei. Dieser Prozess und Lipstadts Arbeit sind heute, rund 18 Jahre nach dem Urteilsspruch von London, mindestens so wichtig wie damals, betonte Roth. „Denn wir leben inzwischen in Zeiten, in denen das Faktenverdrehen bis hin zum Präsidenten der Vereinigten Staaten zum politischen Alltag zu gehören scheint“, so Roth. Der ehemalige ARD-Journalist ging in seiner Laudatio auch auf die aktuellen Debatten zum Thema Antisemitismus ein: „Wer Menschen angreift, die eine Halskette mit Davidstern oder eine Kippa tragen, der greift uns alle an. Und wer Flüchtlingsheime in Brand setzt, versucht Feuer an das zu legen, worum wir Jahrzehnte lang gerungen haben und was diesem Staat nach den Schrecken des Holocaust und dem Zivilisationsbruch nicht in die Wiege gelegt war: eine freie und offene Gesellschaft, für die Empathie kein Fremdwort, sondern ein Teil ihres Selbstverständnisses ist.“ Zum Programm des Abends gehörte auch die Uraufführung eines Auftragswerkes zum Ossietzky-Preis. Gespielt wurde Sarah Nemtsovs „Fenster. Shloshim“ vom deutsch-isländischen Ensemble Adapter. Der Carl-von-Ossietzky-Preis wird alle zwei Jahre von der Stadt Oldenburg vergeben und ist mit 10.000 Euro dotiert.

Kommentare

Keine Kommentare vorhanden.

Um hier Kommentare abgeben zu können müssen Sie sich erst Anmelden!

Benutzername:     Passwort:    

Wenn Sie Ihr Passwort vergessen haben oder Sie sich registrieren wollen Klicken Sie bitte hier.


Foto:
Oldenburger Kultursommer

Hier geht es zu den aktuellen Ausgaben

Suche:

direkte Antwort ohne Umwege!

Veranstaltungen

Datum bis
Kategorie
Ort
Location
Festival

Kleinanzeigen

DATENSCHUTZ | IMPRESSUM