
Steffen Möller gastiert in der Kulturetage
Text | Horst E. Wegener
Gut möglich, dass Steffen Möller hierzulande den wenigsten auf Anhieb ein Begriff ist. Jenseits der Oder kennen unsere polnischen Nachbarn den Wuppertaler Schauspieler und Kabarettisten bestens. Dank der von ihm liebenswert deutsch verkörperten Serienfigur Stefan Müller aus der TV-Soap „L wie Liebe“ wurde der Neu-Warschauer Möller ab 2002 zum langjährigen Einschaltquotenbringer. Jemand, dem man im Nachbarland sogar die polnische Ausgabe von „Wetten, dass?“ anvertrauen mochte, der als Klischeedeutscher seinen alten und neuen Landsleuten den Spiegel vorhalten durfte, indem er bei der populären polnischen Fernsehserie „Europa lässt sich mögen“ mit von der Partie war.
Überdies legt sich der seit 1993 in Polen lebende Möller für die deutsch-polnische Völkerverständigung mit Kabarettprogrammen und Büchern ins Zeug. Wo Fernsehsatiriker Harald Schmidt schon vor Jahren für Polenwitze erboste Kommentare einfuhr, kommen Möllers Frozzeleien jenseits der Oder ungleich besser an. Was auch darauf zurückzuführen sein dürfte, dass der Wuppertaler sowohl die Polen als auch die Deutschen auf die Schippe nimmt. „Letzteres kommt gut an in einem Land, wo die Helgas und Helmuts immer noch, bei allem Respekt, als bieder, humor- und phantasielos gelten“, schrieb Die Welt anno 2005 über den schier kometenhaften Aufstieg Steffen Möllers. Zu dessen Lieblingswitzen, die man sich in Polen über uns Deutsche erzählt, gehört jener vom deutschen Großvater, der mit dem Enkel zusammen alte Fotoalben betrachtet. „Fragt der Enkel: Opa, wer ist denn der junge Mann auf dem Foto? – Das bin ich, als ich noch jung und fesch war. – Und wer ist der Mann da neben dir, der mit dem Schnäuzer? – Oh, mein Lieber, das war ein ganz böser Mensch, der hieß Adolf Hitler. – Ach so. Opa, warum hebst du denn den rechten Arm so komisch zu diesem Herrn Hitler hoch? – Da sage ich gerade zu ihm: Stopp den Krieg!“ Der 1969 geborene Möller erinnert sich, dass ihm eine „würdige Warschauer Matrone“ diesen Joke einst erzählte. Aber da lebte er schon etliche Jährchen im Lande; normalerweise halten unsere östlichen Nachbarn sich mit lauthals zum besten gegebenen Witzen über die Deutschen eher vornehm zurück.
Dass er einmal als zweitbekannter Deutscher in Polen – gleich hinter dem Papst – gelten würde, hätte sich Möller in seinen kühnsten Teenagerträumen nicht vorstellen mögen. Im Schulkabarett erntete Steffen erste Erfolge. Doch nach Abitur und Zivildienst studierte der Sohn eines Professors für Evangelische Theologie und einer Religionslehrerin Theologie und Philosophie an der Freien Universität in Westberlin. Nach Abschluss des Studiums musterte Möller 1993 eine Tafel mit Sprachkursofferten – gab dem Polnischkurs in Krakau den Vorzug gegenüber dem Italienischkurs südlich der Alpen. Es folgte eine Anstellung als Deutschlehrer am Warschauer Gymnasium sowie eine Deutschdozentur an der Warschauer Uni. Der Deutsche wurde von seinen Studenten immerzu gefragt, was das Ausland von Polen halten würde – naheliegend, dies Thema kabarettistisch aufzubereiten. Beim nationalen Kabarettwettbewerb Paka in Krakau belegte Steffen Möller, der Ausländer, anno 2002 den zweiten Platz. Das war der Durchbruch. Und in Zeiten, in denen immer mehr Deutsche gen Polen auswandern, war es nurmehr eine Frage der Zeit, bis sich Möller auch in der alten Heimat zum Besserwessi-Ratgeber mausern mochte. Sein generalüberholtes Live-Programm „Expedition zu den Polen – eine Reise im Berlin-Warschau-Express“ wartet mit jeder Menge konkreten Tipps auf: Was muss ich mitnehmen, wie baggere ich Polen an? Außerdem im Angebot: Das schönste Einkaufszentrum Europas und die absoluten no-go’s; plus ein Kurz-Sprachkurs, der selbst Null-talentierte zum Reden bringt. Kurzum: Ein Abend mit Steffen Möller entpuppt sich als gleichermaßen zwerchfellmassierend witzig wie unverzichtbar für polnisch-deutsche Dialoge.
Steffen Möller – Kabarett „Expedition zu den Polen“
Mo 21.5., 20:00 Uhr, Kulturetage, OL