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Hinreißende Akrobatik und zauberhafte Effekte 1.3.12

Jakop Ahlbom begeistert mit „Vielfalt“ Oldenburger Theaterpublikum
Text | Sylvia Mallinkrodt-Neidhardt

Komödianten waren in der Stadt: Ohne Worte aber mit viel Fantasie gaben sie dem Oldenburger Publikum für eine unvergessliche Stunde Einblick in ihre traumhaft-bizarre Welt. „Vielfalt“, eine Theaterproduktion, die ihr Programm schon im Namen trägt, ist faszinierende Unterhaltung, geistreich und anregend – aber ganz anders als gewohnt. Das niederländische Ensemble um Theatermacher Jakop Ahlbom, im Rahmen des „Go West“-Festivals des Oldenburgischen Staatstheaters zu Gast auf hiesiger Bühne, begeistert durch grandiose Körperbeherrschung, die Leichtigkeit der Darbietungen und eine unverkennbare Freude am Spiel. Stürmischer Beifall belohnte einen gelungenen Festivalbeitrag.
„Vielfalt“ unter der Endregie von Jeroen van den Berg erzählt von der Suche eines jungen Mannes nach seiner auf mysteriöse Weise abhanden gekommenen Freundin in Form eines beinahe poetischen Verwirrspiels. Nicht stringente Handlung und logische Szenenfolge, sondern der Wunsch nach Variation bestimmt das surreale  Geschehen. Alltagsgegenständen wird eine ganz neue Perspektive abgewonnen. Darsteller und Darstellerinnen tauchen in den Fernsehapparat ein, tauchen aus der Spüle wieder auf und tauchen ins Sofa ab. Da erhält die Zauberkiste aktuelle Bedeutung. Akrobatik und Illusion gehen Hand in Hand, wenn die Akteure einander verschwinden lassen oder selbst verschwinden, nur um an anderer Stelle spektakulär wieder aufzutauchen. Der stete Wechsel von An- und Abwesenheit auf der Bühne erinnert nicht zufällig an Slapstick-Szenen des Stummfilms. Der Schrank, in den man eintritt, nur um durch ihn hindurch zu gehen, Gegenstände, die mit Personen verschmelzen und Ensemblemitglieder, die (im wahren Sinn des Wortes) an der Wand hoch gehen – das alles wird mit derart erstaunlicher Leichtigkeit und hohem Perfektionismus dargeboten, dass man nur Staunen kann. Aber es ist keine Zauberei, sondern beeindruckendes Tanztheater, wenn die Darsteller/innen scheinbar die Schwerkraft überwinden oder die Akteure miteinander raufen, dass es kracht.
Das Stück lebt von den vielfältigen Fähigkeiten der zwei Darsteller (Jakop Ahlbom, Reinier Schimmel) und fünf Darstellerinnen (Gwen Langeberg, Anne van Balen, Silke Hundertmark, Inez Almeida und Judith Hazeleger). Und natürlich vom Ideenreichtum des Theatermachers Ahlbom, der nicht nur mit einer Vielzahl toller Effekte aufwartet, sondern sich nicht scheut, Formen, Stile und  Genres durcheinander zu wirbeln. – Fazit: eine „zauberhafte“ Produktion…