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Wochenzeitung DIABOLO:
Kinga Glyk im Glück
mit unbändiger Spielfreude26.10.2017



Diese Frau ist ein echtes Phänomen: Erst 20 Jahre alt – und schon zur Internet-Sensation gekürt, mit Klickzahlen, die für eine Jazzbassistin absolut beispiellos ausfallen. Natürlich spielt es dabei eine nicht ganz unwesentliche Rolle, dass Kinga Glyk einer Musikerfamilie entstammt.

Ihr Vater Irek – selber Jazzschlagzeuger und Vibraphonist in Polen – förderte das Talent seiner früh bassaffinen Tochter, indem er die damals gerademal Zwölfjährige ins Familientrio holte. Das Glyk PIK Trio stand häufig auf der Bühne, was der Teenagerin zu reichlich Spielpraxis verhalf. Und hyperbegabt, wie Glückskind Kinga ihren E-Bass zupfte, fühlte sie sich dann mit 18 Jahren mehr als bereit, ihr Debütalbum „Registration“ aufzunehmen. Ab diesem Zeitpunkt drückte die von der internationalen Fachwelt als weibliche Antwort auf die Jazzbass-Legende Jaco Pastorius gefeierte Ausnahmemusikerin ihren sämtlichen Songs den unverkennbaren Kinga-Stempel auf – was von jungen, nicht sonderlich jazzbegeisterten Youtube-Clipfans und älteren Konzertgängern gleichermaßen mit Interesse zur Kenntnis genommen wurde. „Happy Birthday“, wie Kinga ihr Album Nummer zwei nannte, folgte 2016 nach, aus Szeneclubs in der heimatnahen Kattowitzer Region wurden Säle in ganz Polen, aus kleinen Gigs Festivalauftritte im Umkreis renommierter Kollegen, bis hin zum diesjährigen Stuttgarter Jazz Open oder auch dem Festival da Jazz in Sankt Moritz. Eine von der Solo-Künstlerin zudem ins Internet gestellte Coverversion von Eric Claptons Ballade „Tears in Heaven“ ließ Kingas Klickzahlen geradewegs durch die Decke schießen, brachte der selbstbewussten, hübschen Jazzerin dann im März 2017 sogar einen Beitrag im ZDF-heute journal ein.
Die passionierte Hutträgerin gilt der hiesigen Presse mittlerweile als „die große Hoffnung des europäischen Jazz“ (Spiegel), wird als „strahlender neuer Stern am Jazzfirmament“ gefeiert (FAZ). Auch dank ihrer unbändigen Spielfreude, mit der die 20-Jährige ihre Eigenkompositionen aus Jazz, Rock, Blues und Funk immerzu in musikalisch-dynamische Cocktails mit vielfach tanzbaren Facetten verwandelt, stehen zusehends mehr jüngere Semester um Tickets für Kinga Glyks Konzerte an. „Dream“ heißt ihr drittes Album, das erste, das beim internationalen Label Warner Ende Oktober erscheinen wird und die Ausnahmebassistin mit einer grandiosen neuen Jazzcombo zusammenbringt. Mit von der Partie sind bei „Dream“ der britische Saxofonist Tim Garland, der zuvor schon mit Koryphäen von Kenny Wheeler bis Chick Corea gearbeitet hat. Klavier spielt der israelische Tastenvirtuose Nitai Hershkovits, der über seine Jahre im Trio von Avishai Cohen bekannt wurde. Und am Schlagzeug sitzt der New Yorker Gregory Hutchinson, schlicht einer der wichtigsten Drummer seiner Generation.
Wie eh und je enthält „Dream“ überwiegend eigene Kompositionen von Kinga Glyk, darüber hinaus mit dem Song „Teen Town“ eine Verbeugung der Quartett-Frontfrau vor dem absoluten Idol der 20-Jährigen: Jaco Pastorius. Und es dürfte wohl mit dem Teufel zugehen, wenn sich die Ausnahmebassistin im Rahmen ihres bevorstehenden Liveauftritts in Oldenburg nicht spätestens zur obligatorischen Zugabe-Nummer in den Schneidersitz begibt, um ihre Soloversion von Claptons „Tears in Heaven“ zu zupfen. Freuen wir uns drauf!

Text |  Horst E. Wegener

Im Rahmen ihrer Dream-Tournee ist die Kinga Glyk-Band
am 3. November ab 20 Uhr in der Oldenburger Kulturetage.

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