LzO
OLDENBURG
Mittwoch

13

Dezember

Kostbar 2017
X-Cut
Nagelkreuz
FZO Elektra

Ausstellungen

Wochenzeitung DIABOLO:
Puppengeschirr im Fotobuch
Ausstellung „andererseits“ im Palais Rastede eröffnet27.07.2017





Vor allem in seinen Materialcollagen, in denen die 68-Bewegung ebenso Thema ist wie Figur des Kaspers, erweist sich der Oldenburger Künstler und Architekt als origineller Geschichtenerzähler. Was für Einfälle, welch eine Materialfülle, wie gekonnt Kitsch und Kunst zusammengefügt wurden, mit wie viel Hintersinn hier von Architektur und Kunstgeschichte erzählt wird, ohne auch nur einmal zu belehren: Mit Eduard Schumacher zeigt das Palais Rastede einen ungewöhnlichen Weltinterpreten, an dessen Arbeiten wohl niemand ungerührt vorüber geht.

Da ist zum Beispiel das Labyrinth, für das Eduard Schumacher, der von 1988 bis 2014 als Architekturprofessor an der Fachhochschule Oldenburg lehrte, zahllose Dias zu einem Irrgarten angeordnet hat, aus dem man nur hinausfindet, wenn man der strengen Struktur folgt. Die Dias hat Schumacher „aus dem Müll gerettet“, wie Palaisleiterin Dr. Claudia Thoben weiß. Sie zeigen bekannte Motive wie die Alhambra in Grenada oder die Büste des ägyptischen Pharaos Tutanchamun. Umgeben ist der geometrische Aufbau von einem Rund aus zersplitterten Spiegeln. Wer das Labyrinth verlässt, sieht sich also gleich der nächsten Irritation gegenüber.
„Den 68ern“ heißt eine andere Anordnung. Zu sehen ist ein Grab im Wald, dahinter zeigt sich ein See, wie Caspar David Friedrich ihn hätte malen können. Ist das ein Abgesang auf die legendäre Studentenbewegung? „Ja, das kann man so sehen“, antwortet der Künstler auf Nachfrage. Und war er selbst ein 68er? „Ach, wer war schon ein 68er“, sagt er. Den Widerständlern von damals attestiert er aber, dass sie „durchaus Inhalte hatten und nicht nur Form“. Anders als zum Beispiel Walter Vogel. Vor einigen Jahren hat der Fotograf Vogel ein ästhetisch hochwertiges Buch über die großen Caféhäuser der Welt herausgegeben, aber Schumacher findet es affig. Der Band sei reine Attitüde. Schumacher hat die Motive herausgeschnitten und die Leerstellen mit winzigem Puppengeschirr gefüllt.
Ob Barockengel oder Miniaturen vom Kölner Dom, ob Matchbox-Autos oder Spiegelscherben, ob Rahmen, Winkel oder Zollstöcke – Schumacher bringt zusammen, was auf den ersten Blick nicht zusammengehört. „Ich möchte, dass man sich darin verliert“, hat er einmal gesagt.
„Neben unserer Bürotür hängt jetzt eine hinter Gittern eingesperrte Kasperlepuppe“, erzählt Claudia Thoben zur Begrüßung der Gäste. Der Kasper sei die gute Figur des Puppentheaters, ein schlauer Narr, der um die bösen Dinge wisse. In zahlreichen Ländern säßen genau diese hintersinnigen Spaßmacher im Gefängnis. „Ich kann nicht garantieren, dass unser Kasper nicht doch noch befreit wird“, so die Palaisleiterin.
Eduard Schumacher verfüge über eine ungewöhnlich große Bandbreite, von der freien Skulptur bis hin zum kleinen Interieur, sagt Dr. Irmtraud Rippel-Manß in ihrer Einführung. „Das ist durchaus eine Herausforderung für unsere bildschirmmüden Augen.“ Als Maler und Architekt beschäftigt sich Schumacher viel mit Oldenburger Stadtansichten. „In seinem Atelier gibt es heftige Einlassungen darüber, wie sich seine Stadt nicht entwickeln sollte“, so Rippel-Manß. Ob Malerei oder Objekt, für diesen Künstler gelte, „dass sich seine Arbeiten nicht mit einem Schlagwort belegen lassen“. Die Interpretationsmöglichkeiten reichten vom barocken Welttheater bis zum hintergründigen Spaß. Der „Kleinkram“, den Schumacher auf Flohmärkten findet und verarbeitet, sei mit der Patina des Alltagslebens überzogen. Das gebe seinem Werk eine ganz eigene Ausstrahlung. Mit dem im Internetzeitalter verinnerlichten „Sehen und Abspeichern“ komme der Betrachter hier nicht weiter. Stattdessen werde er mit „dem Lob des Zweifels“ konfrontiert.
Abschließend machte Rippel-Manß auf ein Bild aufmerksam, dessen Botschaft sie aber sofort vernommen hat. „Nach dem Abendmahl“ zeigt die Reste der biblischen Tafel, die Jünger sind fort, der Tisch von Brotkrumen und Weinflecken übersät. Rippel-Manß schlussfolgert: „Hier muss aufgeräumt werden, weil das Chaos ausgebrochen ist.“

text und foto  |  britta lübbers


ausstellung
noch bis 17.9., Palais Rastede

Kommentare

Keine Kommentare vorhanden.

Um hier Kommentare abgeben zu können müssen Sie sich erst Anmelden!

Benutzername:     Passwort:    

Wenn Sie Ihr Passwort vergessen haben oder Sie sich registrieren wollen Klicken Sie bitte hier.


Ausstellungen

<i>Wochenzeitung DIABOLO:</i><br />Puppengeschirr im Fotobuch<br />Ausstellung „andererseits“ im Palais Rastede eröffnet

mehr…Wochenzeitung DIABOLO:
Puppengeschirr im Fotobuch
Ausstellung „andererseits“ im Palais Rastede eröffnet
27.07.2017

Vor allem in seinen Materialcollagen, in denen die 68-Bewegung ebenso Thema ist wie Figur des Kaspers, erweist sich der Oldenburger Künstler und Architekt als origineller Geschichtenerzähler. Was für  …

<i>Wochenzeitung DIABOLO:</i><br />Einzigartig<br />Der Pulverturm wird „vollgequetscht“

mehr…Wochenzeitung DIABOLO:
Einzigartig
Der Pulverturm wird „vollgequetscht“
29.06.2017

Rund, aufeinandergestapelt, stachelig, bunt, monochrom, matt, glänzend, gepunktet, gestreift – dieser Versuch einer Beschreibung von David Rauers Werken könnte beinahe endlos weitergehen. So verschieden  …

<i>Wochenzeitung DIABOLO:</i><br />Hautfarbe – Eindeutig uneindeutig: Der Berliner Künstler Stefan Pfeiffer präsentiert seine Werke

mehr…Wochenzeitung DIABOLO:
Hautfarbe – Eindeutig uneindeutig: Der Berliner Künstler Stefan Pfeiffer präsentiert seine Werke
17.05.2017

Nehmen Sie Platz und werden Sie Zeuge der unverwechselbaren, einzigartigen und eindeutigen ‚Hautfarbe' – oder eben auch nicht. Unter dem Titel Nervous Gender bietet der Oldenburger Kunstverein dem Berliner Künstler, Stefan Pfeiffer, vom 19. Mai bis 30. Juli 2017 Raum für seine Werke. Warum Stühle und der Farbton ‚Hautfarbe‘ mit unserer Wahrnehmung zu tun haben, gilt es für jeden selbst herauszufinden.

<i>Wochenzeitung DIABOLO:</i><br />Künstlerische Vielfalt  <br />Ausstellungen im Oldenburger Kunstverein

mehr…Wochenzeitung DIABOLO:
Künstlerische Vielfalt  
Ausstellungen im Oldenburger Kunstverein
02.03.2017

Der Oldenburger Kunstverein gehört zu den ältesten Kunstvereinen in der Bundesrepublik. Bereits 1834 fanden sich in Oldenburg einige Gleichgesinnte zusammen und gründeten einen …

<i>Wochenzeitung DIABOLO:</i><br />How to: Protest!  <br />Ausstellung „Past is Not Post“ ruft zum politischen Handeln auf

mehr…Wochenzeitung DIABOLO:
How to: Protest!  
Ausstellung „Past is Not Post“ ruft zum politischen Handeln auf
09.02.2017

Drei Männer und zwei Frauen in den siebziger bis neunziger Jahren sitzen friedlich an einem amerikanischen Straßenrand mit Schildern in der Hand, die Botschaften wie „War is State Sponsored Terrorism“, „Escalation. Been there. Done that. Didn’t work“ oder „Obama!  More Killing Does  …

<i>Wochenzeitung DIABOLO:</i><br />Kunst als Ansichtssache<br />Hartmut R. Berlinicke bezieht Stellung im Palais Rastede

mehr…Wochenzeitung DIABOLO:
Kunst als Ansichtssache
Hartmut R. Berlinicke bezieht Stellung im Palais Rastede
02.02.2017

„Berlinickes Ansichtssachen“ ist die Ausstellung mit Arbeiten des Wildeshauser Künstlers überschrieben, der sich der Druckgrafik verschrieben hat. Der Autodidakt ist studierter Religionspädagoge und  …

<i>Wochenzeitung DIABOLO:</i><br />Mit Öl und Seidenpapier<br />Am Wochenende, 5. und 6. November, lohnt sich ein Besuch des offenen Ateliers SIEBEN

mehr…Wochenzeitung DIABOLO:
Mit Öl und Seidenpapier
Am Wochenende, 5. und 6. November, lohnt sich ein Besuch des offenen Ateliers SIEBEN
03.11.2016

„Bitte setzen!“ heißt die Ausstellung in der Kastanienallee 4. Fünf Oldenburger Künstlerinnen zeigen ihre Werke, das Spektrum reicht von Gemälden bis hin zu Linoldrucken und …

mehr…Wochenzeitung DIABOLO:
Sonderausstellung
22.07.2016

Anlässlich des „Jahres der Meere und Ozeane“ findet im Schifffahrtsmuseum eine Sonderausstellung mit dem Titel „Ogyanos – Ozeane“ statt. In dieser stellt die persische Künstlerin Maryam Motallebzadeh Werke vor, die die schicksalhafte ...

<i>Wochenzeitung DIABOLO:</i><br />Zwischen Bacardi und Ballade<br />Vielseitig: die Ausstellung „Aus dem Wasser“ im Palais Rastede

mehr…Wochenzeitung DIABOLO:
Zwischen Bacardi und Ballade
Vielseitig: die Ausstellung „Aus dem Wasser“ im Palais Rastede
22.07.2016

Ulrike Donié (Malerei), Sabine Nasko (Keramik) und Sylvia Stölting (Algenkunst) hatten sich unabhängig voneinander um eine Ausstellung beworben. Palaisleiterin Dr. Claudia Thoben sichtete ihre Werke – und plötzlich habe es „Klick“ gemacht, erzählt sie, und das Thema ...

<i>Wochenzeitung DIABOLO:</i><br />Ein Auge fürs Besondere<br />3. Festival der Illustratoren in der bau_werk Halle

mehr…Wochenzeitung DIABOLO:
Ein Auge fürs Besondere
3. Festival der Illustratoren in der bau_werk Halle
07.07.2016

Billige, nichtssagende Stock-Fotos, die sich über den Äther von großen Corporations aus Orten wie Seattle, Washington, und Calgary, Kanada, in unserer Google-Recherche nach dem Stichwort „Industriehafen“ häufen. Warum auf Bilder dieser Art zurückgreifen, wenn direkt in Oldenburg doch Menschen wohnen ...

<i>Wochenzeitung DIABOLO:</i><br />Zwischen Popart und Archaik<br />Der Bildhauer Hermann Grüneberg stellt seine <br />hybriden Keramik-Figuren im Pulverturm aus

mehr…Wochenzeitung DIABOLO:
Zwischen Popart und Archaik
Der Bildhauer Hermann Grüneberg stellt seine
hybriden Keramik-Figuren im Pulverturm aus
30.06.2016

Sie erinnern an Urzeitwesen, an ausgestorbene Saurier. Oder an coole Typen aus dem Wilden Westen. Die monumentalen Figuren, die Hermann Grüneberg aus Halle im Oldenburger Pulverturm zeigt, ziehen sofort ...

<i>Wochenzeitung DIABOLO:</i><br />Monsterbrüste und Betongold<br />Verblüffende Vielseitigkeit: Volker Bartsch im Palais Rastede

mehr…Wochenzeitung DIABOLO:
Monsterbrüste und Betongold
Verblüffende Vielseitigkeit: Volker Bartsch im Palais Rastede
28.01.2016

Die Distanz zwischen Mann und Frau als nicht ineinandergreifende Zahnräder; langbeinige Helmut-Newton-Models mit Silikonbusen; stilisierte Hochhäuser, die auf urbane Goldgräberstimmung  ...

<i>Wochenzeitung DIABOLO:</i><br />Barrieren niederreissen<br />Landesmuseum Natur und Mensch startet vielfältiges Ausstellungsprogramm in 2016

mehr…Wochenzeitung DIABOLO:
Barrieren niederreissen
Landesmuseum Natur und Mensch startet vielfältiges Ausstellungsprogramm in 2016
28.01.2016

Museumsdirektor Dr. Peter-René Becker zeigte sich auf ganzer Linie zufrieden mit der Entwicklung des Oldenburger Landesmuseums Natur und Mensch. Die Besucherzahlen stiegen im Jahr 2015 wieder  ...

<i>Wochenzeitung DIABOLO:</i><br />Abschied von der Idylle<br />Das Landesmuseum für Kunst- und Kulturgeschichte <br />zeigt Heinrich Vogeler als Kriegschronisten

mehr…Wochenzeitung DIABOLO:
Abschied von der Idylle
Das Landesmuseum für Kunst- und Kulturgeschichte
zeigt Heinrich Vogeler als Kriegschronisten
21.01.2016

Er war Maler, Grafiker, Architekt und Kommunist. Im Prinzenpalais wird Heinrich Vogeler (1872-1942) jetzt als Chronist des Ersten Weltkriegs präsentiert. An der Ostfront hielt er das große Schlachten ...

Fesselnde Augenblicke<br />Das prächtige Augusteum lädt ein, die Bilderschätze zu besichtigen

mehr…Fesselnde Augenblicke
Das prächtige Augusteum lädt ein, die Bilderschätze zu besichtigen
10.12.2015

Ein Schatzkästlein für Alte Meister und junge Kunstliebhaber wurde nun für die Öffentlichkeit wieder zugänglich. Das Augusteum an der Elisabethstraße in Oldenburg war einst einer der ersten Museumsbauten im ...

Laut, schrill und bewegt<br />„Demo, Derrick, Discofieber“: Das Landesmuseum lässt <br />die siebziger Jahre aufleben

mehr…Laut, schrill und bewegt
„Demo, Derrick, Discofieber“: Das Landesmuseum lässt
die siebziger Jahre aufleben
12.11.2015

Die Siebziger, das waren die Jahre der Schlaghosen und Hotpants, der Prilblumen und der Bundeswehrparka – obwohl dessen Trägerinnen und Träger die Bundeswehr zumeist ablehnten. Es war die Zeit der Anti-AKW-Demos, der RAF und der Sinnsuche. Mit der Epochen-Ausstellung „Demo,  ...

Stillleben, Eros und Tod<br />Der Horst-Janssen-Biograf Stefan Blessin zeigt Werke des Meisters aus seiner Privatsammlung

mehr…Stillleben, Eros und Tod
Der Horst-Janssen-Biograf Stefan Blessin zeigt Werke des Meisters aus seiner Privatsammlung
23.07.2015

Verwelkende Blütenblätter, krasse Selbstporträts, derber Sex: Es ist alles dabei, was Janssen berühmt gemacht hat. Wer sich im Schnellschritt einen Überblick über das unglaublich facettenreiche Schaffen ...

Verloren in der Schalterhalle<br />Wolfgang Nebel zeigt hochwertige Fotokunst im Palais Rastede

mehr…Verloren in der Schalterhalle
Wolfgang Nebel zeigt hochwertige Fotokunst im Palais Rastede
23.07.2015

„in/or/out“ heißt die Ausstellung mit Aufnahmen, die der Oldenburger Informatik-Professor mit dem Smartphone gemacht hat. Sie sind nicht bearbeitet und demonstrieren ebenso kunstfertig ...

Dolch, Dolch, Amulette<br />Das Landesmuseum für Natur und Mensch zeigt, wie Museen unser Bild von anderen Kulturen prägen

mehr…Dolch, Dolch, Amulette
Das Landesmuseum für Natur und Mensch zeigt, wie Museen unser Bild von anderen Kulturen prägen
18.06.2015

„Böser Wilder, friedlicher Wilder“ heißt die Sonderausstellung im Landesmuseum für Natur und Mensch. Gezeigt wird nicht nur der stupide Rassismus, mit dem Völkerkundler während der deutschen Kolonialzeit fremde ...

Meister – Nicht nur mit dem Pinsel<br />Grafische Illustrationen von Salvador Dalí im Horst-Janssen-Museum

mehr…Meister – Nicht nur mit dem Pinsel
Grafische Illustrationen von Salvador Dalí im Horst-Janssen-Museum
28.05.2015

Salvador Dalí – einer vieler Namen der Kunstgeschichte, der in unserem kollektiven Bildgedächtnis aus den Archivschubladen im Handumdrehen Bilder heraufbeschwört. Und zwar solche von schmelzenden Uhren, grotesk-proportionalen langbeinigen Elefanten und immer ...

1 bis 20 von 152 Meldungen       < [1] [2] [3] [4] [5] [6] [7] [8] >
Foto:
Fahrradstadt Oldenburg

Hier geht es zu den aktuellen Ausgaben

Suche:

direkte Antwort ohne Umwege!

Veranstaltungen

Datum bis
Kategorie
Ort
Location
Festival

Kleinanzeigen