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Wochenzeitung DIABOLO:
Einzigartig
Der Pulverturm wird „vollgequetscht“29.06.2017





Rund, aufeinandergestapelt, stachelig, bunt, monochrom, matt, glänzend, gepunktet, gestreift – dieser Versuch einer Beschreibung von David Rauers Werken könnte beinahe endlos weitergehen. So verschieden und einzigartig sind die Ausstellungsstücke aus „Quetschpaste“. Bis zum 6. August werden die abstrakten Keramik-Gebilde den Pulverturm in eine besondere Atmosphäre versetzen.

Ein Schritt nach dem anderen. Ein Objekt nach dem anderen. Bei einem Durchmesser von 8,30 m Raumfläche meint man nach wenigen Schritten bereits alles eingefangen zu haben. Der Künstler schafft es durch die Anordnung der Werke, diesen Raum über seine Quadratmeterzahl hinaus zu erweitern. Man bleibt stehen. Schaut sich um. Verschiedene Farben und Formen springen einem ins Gesicht. Manches will man anfassen, anderes einfach nur betrachten. Wenn der Gesamteindruck gesammelt ist, geht es also step by step in den Einzeldurchlauf. Auf verschieden gestalteten Sockeln begegnen einem gestapelte, gequetschte und auch mal schlangenähnliche Objekte. Manche stehen oder hängen ganz allein, andere sind eng aneinander gruppiert.  
Ist das etwa ein Pärchen, das durch ähnliche Form und Farben und die niedlich hervorstehenden Öhrchen Zusammengehörigkeit ausstrahlt? Oder sind es eher Fühler? Vielleicht auch etwas ganz anderes? Und der rote ausgequetschte Haufen daneben? Der gehört auf jeden Fall nicht dazu. Oder? Diese Fragen kann und möchte David Rauer nicht beantworten. Der Betrachter soll selbst interpretieren und so in eine besondere Kommunikation mit den Werken treten. Den Einfluss der japanischen Kultur möchte der Künstler jedoch nicht verschweigen. Er schwärmt von der übersteigerten Bildlichkeit, die er vor allem auch mit dem Bezug zum Comic erklärt. Aber auch ganz alltägliche Motive können als Inspiration dienen. Zum Beispiel eine Taschentuchpackung, auf der Steine gestapelt sind. Informiert man sich weiter, so findet man heraus, dass diese Stapel auch einen Namen tragen. Steinmännchen. In der Archaik als Wegweiser, heute als Werbesymbol? David Rauer nennt seine Stapel „Check your buddha“ und holt das Motiv in die Pop-Art des 21. Jahrhunderts. Das haben auch schon die bunten und grellen Farben geschrieen, die im Kontrast zum historischen Baudenkmal stehen.  
Eine Frage hat den Künstler bei seinen Arbeiten  begleitet: „Wie schaffen es manche Formen, einen Kultstatus zu erreichen? Im letzten Jahrhundert sind die Nanas von Niki de Saint Phalle als Ikonen der Popkultur in die Öffentlichkeit getreten. David Rauer macht nicht den Eindruck, als würde er einen neuen Kult setzen wollen. Er hat sich einfach mit dem Material und den Möglichkeiten beschäftigt. Da er dazu neigt, sich schnell von den gleichen Formen und Farben zu langweilen, zeigt sich die Experimentierfreude und auch Sprunghaftigkeit des Künstlers. Von einer Minute bis zu vier Tagen braucht er für ein Werk. Wenn ihm etwas nicht gefällt, arbeitet er solange daran, bis es seinen Vorstellungen entspricht. Und manchmal ist es ganz anders. Manchmal wollte er es gar nicht so und trotzdem war es dann richtig. Handwerkliche Perfektion strebt der Künstler nicht an, genauso wenig wie sich in irgendwelche Muster pressen zu lassen. In einem Workshop mit dem Thema „Boje Ahoi“ von der Werkschule Oldenburg können experimentierfreudige Teilnehmer sich in der Kunst der Keramik versuchen und mit David Rauer als Workshopleiter eine Installation entwickeln. Termine hierfür werden noch bekannt gegeben. Informationen können über info@werkschule.de eingeholt werden.
text und foto | verena kassubek

Ausstellung „Quetschpaste“
David Rauer, Keramik im Pulverturm, bis 6.8.2017

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