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Wochenzeitung DIABOLO:
Hautfarbe – Eindeutig uneindeutig: Der Berliner Künstler Stefan Pfeiffer präsentiert seine Werke17.05.2017



Text und Foto |  Verena Kassubek


„Eine komische Besessenheit, die in Wahnsinn ausbricht – einfach ein bisschen seltsam“ sagt der Künstler über die Werke seiner Serie No added sugars. Mit Definitionen ist er jedoch bewusst vorsichtig, denn er möchte dem Betrachter nicht vorgeben, was er in den Gemälden zu erkennen hat. Auch die Titel der Werke gibt er nur auf Nachfrage heraus. Für seine Arbeit hat er überwiegend mit dem industriell hergestellten Farbton der ‚Hautfarbe‘ gearbeitet. Allein durch die Auswahl von verschiedenen Farb-Herstellern entstand so eine Variation an Tönen und somit Interpretationen, wie Hautfarbe denn eigentlich auszusehen hat. Das Spiel mit dieser Farbe solle eben auch die weißkulturelle Banalität wiedergeben und lehne an die monochrome, abstrakte Malerei der 60er Jahre an. Dunkle violette Flecke, aber auch andere Farbtöne durchbrechen die Einfarbigkeit. Strukturell fallen besonders gespachtelte Unebenheiten auf, die durch die Reflexion des Lichtes je nach Betrachtungswinkel unterschiedlich wirken. Das Wort Maltechnik hat der Künstler wörtlich genommen und mit technischen Geräten wie einer Bohrmaschine oder Garten-Sprühern die Farbe auf die Leinwand gebracht. Er entzieht sich damit nicht nur den typischen Malwerkzeugen, sondern auch dem wiedererkennbaren Pinselduktus. Neben den Farbnuancen auf der Leinwand hat sich Pfeiffer auch mit unterschiedlichen Formaten und Rahmungen beschäftigt. Grelle, zum Teil neonfarbene Rahmen stehen im Kontrast zu der monotonen Hautfarbe.
Und da hängen sie, drei Werke in Reih und Glied. In gleicher Höhe, demselben Format, zwar mit unterschiedlichen Rahmen, aber derselben Farbe – oder auch eben nicht. Ein großformartiges Werk, welches einen ganzen Ausstellungsraum zu füllen scheint, bleibt ungerahmt. Erinnert das überhaupt noch an die menschliche Haut? Reicht die Vorstellungskraft bei Flächen, die den Menschen weit überragen dazu aus? Pfeiffer ist der Meinung, dass Menschen dazu neigen, Dinge und auch Farben zu personalisieren. Die Frage bleibt also, was Hautfarbe denn eigentlich ist und warum wir keiner anderen Farbe eine solche Körperlichkeit zuordnen?
Seine Installationen sind einer ähnlich ironischen Thematik gewidmet. Durch zweckentfremdete Stühle, auf denen das Sitzen nicht mehr möglich scheint, nimmt er dem Gegenstand seine sonst so eindeutige Funktion. Dass gerade Stühle verwendet werden, deutet auf die Abhängigkeit hin, in der diese zum Menschen stehen – oder auch eben nicht mehr.
Eine weitere Ausdrucksform vom menschlichen Körper findet sich in kleinformatigen, farbvielfältigeren Werken wieder. Auch hier setzt Pfeiffer überwiegend die Bohrmaschine zur Darstellung von etwas ein, das menschliche Innereien darstellen könnte. Die Hautfarbe tritt dabei in den Hintergrund. Die Werke, die er zuletzt gemalt hat, entfernen sich gänzlich von der Farbigkeit und sind in Schwarz-weiß-Tönen gehalten. Ist die Körperlichkeit hier noch erkennbar, soll sie erkannt werden oder ist das einfach zu abstrakt? Der Künstler empfindet den Rücktritt der Farbe als eine Art Erleichterung, denn jetzt stünde nur noch das Malen im Vordergrund.

Nervous Gender
Fr. 19.5. bis So. 30.7., Oldenburger Kunsterverein, OL

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