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Wochenzeitung DIABOLO:
Jazz-Urgestein
Ack van Rooyen zu Gast im PFL und Wilhelm1313.04.2017

Als einer der Großen auf europäischen Jazzbühnen nach dem Zweiten Weltkrieg kann Ack van Rooyen nicht nur mitreißend musizieren, sondern hat auch viel zu erzählen. Vor allem aber fühlte er sich seinem Instrument, der Trompete, sehr schnell mit unbändiger Leidenschaft verbunden. Zwar hatte der am Neujahrstag 1930 in Den Haag geborene Niederländer zunächst eine klassische Ausbildung absolviert – die er noch im Teenageralter am Konservatorium seiner Heimatstadt mit summa cum laude beendete, um hernach ab 1950 vom Arnheimer Symphonieorchester als Trompeter angefragt und verpflichtet zu werden.

Gut zwei Jahre später folgten zwingend der zu absolvierende Militärdienst und Jahre als Studiomusiker beim jazzaffinen Radio Hilversum. Währenddessen gedieh so ganz nebenbei Ack van Rooyens Interesse an Jazz und Improvisation. Von einer USA-Reise kehrte der Cool Jazz-Verehrer mit dem Verlangen heim, diese furios modernen Klänge in die Alte Welt importieren zu wollen. Da van Rooyen glücklicherweise nicht der einzige Modern Jazzliebhaber in den Niederlanden, den Beneluxländern oder Deutschland war, ergaben sich fortwährend beglückende Begegnungen mit Seelenverwandten. In den Niederlanden jammte der Profi-Trompeter weiterhin bei Radio Hilversum. In Paris schloss er sich zudem dem Aime Barelli Orchestre an, gründete in Westberlin ab 1960 mit Gleichgesinnten die Big Band des Senders Freies Berlin. Van Rooyen spielte auch weiterhin mit zahllosen Wegbereitern des Jazz, bis hin zu Dizzy Gillespie oder Friedrich Gulda, er tourte mit Wolfgang Dauer, Albert Mangelsdorff und anderen Jazztausendsassas durch die halbe Welt.
Im Laufe der Jahre wurde der mittlerweile wieder in Den Haag wohnende Jazzer von Kollegen, Kritikern und den einfach nur an progressiver Musik interessierten Zuhörern gleichermaßen für seinen klischeefreien und von Leichtigkeit gelenkten Umgang mit dem Instrument gerühmt. Diese Kunstfertigkeit bestimmt Ack van Rooyens Spieltechnik, egal ob er als Solist, in kleiner Besetzung oder mit den Big Bands von SFB, SDR, der Bert Kaempfert Big Band, den niederländischen Skymasters und ab 1975 in mehreren Formationen des unvergessenen Peter Herbolzheimer seinen legendär weichen Ton intonierte, dabei stets auf high notes verzichtend. Seine Aufgaben meistert van Rooyen mit einer erfrischenden Virtuosität, die nicht zwangsläufig in technische Kräftemesserei mündet, sondern manchmal ganz bewusst auf die leisen Zwischentöne setzt. Längst unterrichtet der Profijazzer am Konservatorium seiner Heimatstadt, leitet er Workshops in ganz Europa. Für seine Verdienste um den Jazz schlug man ihn anno 2006 im Burghof der historischen Ronneburg gar zum 17. „Ritter der Ronneburg“. Zur Oldenburger Stippvisite im PFL bringt das niederländische Jazzer-Urgestein junge Musiker aus seiner Heimatstadt mit, wird er tags darauf im Gespräch mit Oliver Herbolzheimer im Wilhelm13 sein Leben Revue passieren lassen.


Im Rahmen des diesjährigen Alluvium-Jazzfrühlings kommt Ack van Rooyen mit seinem Quintett am 26. April ins PFL, wird er sich am 27. im Wilhelm13 mit Oliver Herbolzheimer über seine Karriere, sein Leben, die Entwicklung der Jazzszene nach dem Zweiten Weltkrieg unterhalten.

text  | Horst e. wegener

Foto:
Sonne am Marktplatz

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