LzO
KONTAKT | IMPRESSUM
Name:
Pass:
Kultur > Theater
Veranstaltungskalender
Kleinanzeigen aufgeben Kleinanzeigen lesen
Termine melden Termine suchen
Tickets kaufen Spielstätten suchen
Pizza bestellen Restaurant suchen
Anzeigen buchen Mediadaten suchen
Voting abstimmen Party Pics ansehen

FZO Fixies
Klima +
Weser-Ems-Bus
GSG
Kabale und Liebe im Bürotrakt 14.6.12

Schiller-Neuinszenierung im Oldenburgischen Staatstheater
Text | Sylvia Mallinkrodt-Neidhardt

Friedrich Schiller (1759-1805) war gerade einmal 23 Jahre alt, als er sein  Theaterstück „Kabale und Liebe“ schrieb;  ein typisches Frühwerk mit spätpubertären Zügen, in dem die Vision von einer alles überwindenden Liebe und damit einer besseren Welt an den bestehenden gesellschaftlichen Verhältnissen zerbrechen muss. Die Neuinszenierung von Jasper Brandis für das Oldenburgische Staatstheater ist gekennzeichnet von dem Bemühen, das bürgerliche Trauerspiel mit interessanten Regieeinfällen aufzubrechen, um nicht im „Sturm und Drang“ zu versinken: weg aus dem 18. Jahrhundert hinein in eine zeitlose, teilweise surreale Gegenwart mit Anleihen bei der Populärkultur. Eine unterhaltsame Aufführung, ohne die Tragik des Dramas der Lächerlichkeit preiszugeben.

Die Inszenierung bewegt sich dicht an Schillers Sprache, wobei die Zahl der Darsteller weitgehend auf die für die Handlung wesentlichen Akteure reduziert ist. Das Trauerspiel handelt von der Liebe des adligen Präsidentensohns Ferdinand und der bürgerlichen Musikertochter Luise, die von den Vätern nicht erwünscht ist. Der eine möchte seinen Sohn mit einer Maitresse des Fürsten verheiraten, um seine Macht zu festigen; der andere fürchtet um Ehre und Leben seiner Tochter. Da kommen dem Präsidenten die intriganten Vorschläge seines ebenfalls in Luise verliebten Sekretärs Wurm gerade recht. Letztlich aber führen eben die zum Tod der Liebenden. In dem genial nutzbaren Bühnenbild (Ausstattung Katrijn Beaten, Saskia Louwaard) eines Bürotraktes treffen leidenschaftliche Emotionen auf kalte Funktionalität. Türen von Amtsräumen öffnen und schließen sich, geben den Blick auf Räume frei, die wie Schreibtischschubladen heraus und hinein geschoben werden. Dann wieder sind die Ausgänge durch Mauern verbaut, machen jeden Ausbruchsversuch aus der Schublade, in der man steckt, unmöglich. Gut auf die Rollen abgestimmt ist auch die Kleidung der Akteure – vom legeren Tennisdress des  jungen Adligen über die auswechselbaren Pullunder des Intriganten bis zur unförmigen Cordhose des Musikers.
Gelungen besonders die schauspielerischen Leistungen. Kristina Gorjanowa überzeugt in der Rolle der Luise, eines jungen verliebten Mädchens, das sich zur opferbereiten Frau entwickelt – mit starker Ausstrahlung, aber von romantischer Todessehnsucht getrieben. Nicht ganz so überzeugend ihr Partner Henner Momann, der sich nicht recht entscheiden kann, ob er den jugendlichen Liebhaber Ferdinand ironisierend oder dramatisch darstellen soll. Hervorragend Eva Maria Pichler als Lady Milford, die den Präsidentensohn begehrende Fürsten-Maitresse: ausgezeichnet ihr Spiel zwischen arroganter höfischer Dame und verzweifelt liebender Frau, das nie ganz preisgibt, was wirklich und was nur vorgetäuscht ist. Denis Larisch gibt gekonnt den niederträchtigen Präsidentensekretär Wurm, den bereits der Name kennzeichnet; eine typische Hofschranze, einer, der immer zur Verfügung steht, kleinkariert, aber mit Größenwahn, im Bösen allgegenwärtig – auch wenn er selbst gar nicht auf der Bühne ist. Eine Paraderolle hat einmal mehr Klaas Schramm als versoffener, homoerotisch angehauchter Hofmarschall von Kalb; auch hier ist die Lächerlichkeit der Figur bereits im Namen angelegt. Schramms Udo-Lindenberg-Parodie ist durchaus komisch und verdient sich regelmäßig Lacher, wirkt aber insgesamt überspielt. Souverän Thomas Birklein als zynischer und machtgieriger Präsident, ebenso Thomas Lichtenstein als Luises Vater, ein spießiger „Bohèmien“ mit einer ebensolchen Spießerfrau (Caroline Nagel). – Insgesamt: So kann man das Stück heute gut ansehen.

Weitere Vorstellungen:
22., 26., 28., 29.6. Staatstheater, OL

Hier geht es zur Webpage