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Vom verliebten Wolf und dem Stasi-Major 28.9.11

Theater Laboratorium begeistert mit phantasievollen „Rotkäppchen-Variationen“ Dieser Wolf ist einfach zum Verlieben! Das findet nicht nur Rotkäppchen… Das Theater Laboratorium präsentiert mit den „Rotkäppchen-Variationen“ einmal mehr eine phantasievolle Märchenadaption voller Poesie, Witz und auch Tiefgang, die den Vergleich mit den „Bremer Stadtmusikanten“ nicht zu scheuen braucht.
Pavel Möller-Lück und Jonathan Went sind dabei wieder ganz in ihrem bewährt komödiantischen Element. Star des Abends aber ist – natürlich gewollt – die Figur des Wolfes: von Mechtild Nienaber hinreißend gestaltet und von Möller-Lück mit Hingabe zum Leben erweckt. Das Stück spielt in den 60er Jahren in der Lausitz. Dort wurde 1906 der letzte Wolf in Deutschland erschossen, um rund 90 Jahre später wieder angesiedelt zu werden. Das Verhältnis des Menschen zum Wolf, dem Unangepassten, war eben schon immer ein ambivalentes. Das Honecker-Bild an der Wand signalisiert, das Stück spielt in der ehemaligen DDR; doch es könnte auch in jedem anderen totalitären System spielen, in dem der Unangepasste gefährlich lebt – und heimlich bewundert wird. Und hier kommt nun „Herr Wolf“ ins Spiel, der Freidenker, faszinierend in seiner vitalen Wildheit und poetischen Zärtlichkeit. Er ist ein Intellektueller, ein Träumer und doch auch ganz Kreatur. Mechthild Nienaber hat einen herrlich ruppig-lebendigen Wolf geschaffen, fern jeder Plüschtier-Lieblichkeit. Und Möller-Lück gibt ihm einen Charakter, in dem das scheue, listige und stolze Tier und der romantisch verliebte, kühne Rebell zu einer einnehmenden Persönlichkeit verschmelzen. Natürlich ist das Ganze eine Parabel auf die Kraft der Liebe in Zeiten der Willkür; die Staatsmacht wird als unbedeutend der Lächerlichkeit preisgegeben; Poesie besiegt Polizeigewalt – und damit wären wir wieder beim Märchen. Unter der Regie von Pierre Schäfer (Berlin) sowie der künstlerischen Beratung von Barbara Schmitz-Lenders und Markus Wulf begeistern die „Rotkäppchen- Variationen“ mit einem Feuerwerk an schönen, zum Teil skurrilen Ideen, die das Publikum bei der Premiere immer wieder zu spontanem Beifall hinrissen. Darsteller und Figuren agieren gewohnt souverän in einem von Janosch Dannemann geschaffenen Bühnenbild zwischen sozialistischem Realismus und romantischer Märchenkulisse. Pavel Möller-Lück glänzt einmal mehr in der Rolle des typischen, linientreuen Stasi-Majors; eines Genossen mit Vergangenheit allerdings: war doch auch er einst ein Poet mit Träumen und Hoffnungen – und dem einsamen Wolf gar nicht so unähnlich. Neben seiner hervorragenden Präsentation der Wolfsfigur überzeugt der „Puppenflüsterer“ mit der Vorstellung einer verschmitzten Rotkäppchen-Oma, einer Illustrationsfigur mit dem sozialistischen Alibi-Spruch auf den Lippen und dem Herz auf dem rechten Fleck. Stark agiert auch diesmal wieder Jonathan Went in der Rolle des Oberwachtmeisters. Er gibt den klassischen Mitläufer, formal angepasst mit kleinen hinterhältigen Aufsässigkeiten; einer, der auf netten Kumpel macht, aber seine Macht durchaus auch schon einmal missbraucht. Und da ist dann noch das Rotkäppchen, von Beatrice Bader als ganz normales junges Mädchen dargestellt: natürlich, naiv, neugierig – und fasziniert von dem Wolf, dem gleichzeitig wilden und zärtlichen Grenzgänger zwischen den Welten. Ob der Wolf das Rotkäppchen wirklich frisst oder doch alles ganz anders kommt, das sei hier nicht verraten…
WEITERE VORSTELLUNGEN 29.9., 30.9., 1.10., 2.10., 5.10, Theater Laboratorium