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„Roman unserer Kindheit“ 8.2.12

Annette Boegl vom Horst-Janssen- und Stadtmuseum Oldenburg
MoX: Wovon handelt das Buch?
Annette Boegl: Das Buch beschreibt den magischen Moment des Kindseins. Es handelt von einer siebenköpfigen Kinderbande aus recht eigenwilligen Charakteren, die schon durch ihre Namen gekennzeichnet sind. Da wären zum Beispiel der „ältere Bruder“, die „schicke Sibylle“ oder der „Schniefer“, „die witzigen Zwillinge“ und einige andere. Sie leben in einer neuen Siedlung am Rande Augsburgs in der Nachkriegszeit zu Beginn des Weltwirtschaftswunders in den 1960er Jahren. Vor dieser sozialen Kulisse verbringt die Kinderbande gemeinsam einen Sommer, in dem sie einem großen Geheimnis auf der Spur sind, denn ein seltsamer Bewohner der Siedlung hat ihnen prophezeit, dass eines der Kinder im Laufe des Sommers sterben wird und so versuchen sie, dem nachzugehen. Dabei erleben sie die verschiedensten Abenteuer, zum Beispiel in den Auseinandersetzungen mit den Huhlenhäuslern. die der Kinderbande mit Angriffen und Attacken das Leben schwer machen. Die Geschichte wird aus unterschiedlichen Perspektiven geschildert, sodass der Leser auch das Familienleben der Kinder und vor allem ihre Mütter, die sehr starke Persönlichkeiten sind, kennen lernt. Georg Klein bringt auch Schauerelemente, welche das Bild einer gruseligen und manchmal grotesken und brutalen Gegenwelt entwerfen, mit in die Geschichte ein, indem er zum Beispiel Teile der Handlung in ein unterirdisches Labyrinth verlegt, in dem auch der Showdown stattfindet.  
MoX: Was hat Ihnen an dem Buch besonders gefallen?
Boegl: Was ich an Georg Klein sehr mag, ist seine Sprache. Er schafft es, starke Verdichtungen herbeizuführen und ist ein großer Wortkünstler. Es macht viel Spaß, der Rhythmik die er entwickelt zu folgen und in die verschiedenen Welten einzutauchen. Es gelingt ihm, Bilder aus der Kindheit zu schaffen, die jeder von uns kennt, in denen wir in Fantasiewelten agieren oder uns selber Rätsel stellen. Diese Erlebniswelten werden aber immer wieder von der Realität durchbrochen. So treffen die Kinder zum Beispiel auf drei sehr stark versehrte Kriegsveteranen. Am Ende des Buches prallen diese Welten dann aufeinander und werden so zusammengeführt.
MoX: Wem würden Sie das Buch empfehlen?
Boegl: In Jedem Fall Menschen, die Lust auf die Sprachgewandtheit Georg Kleins haben. Das Buch lebt von der unglaublichen Fabulierlust des Autors und ist auf jeden Fall eines für Sprachliebhaber. Sehr schön finde ich auch, dass das Buch autobiographische Züge und Kindheitserinnerungen von Georg Klein enthält, die sich dann mit der Atmosphäre der 1960er Jahre vermischen, die er sehr schön beschreibt. Wer gerne noch mal die ein oder andere Assoziation aus der Kindheit widergespiegelt haben möchte, dem wird das auch sehr gefallen, denn das schafft der Autor auf jeden Fall.
MoX: Was wissen Sie über den Autor?
Boegl: Georg Klein ist gebürtiger Augsburger, lebt heute aber in Ostfriesland. Er hat mit seinen Romanen und Erzählungen bedeutende Preise, wie den Ingeborg-Bachmann-Preis, den Brüder-Grimm-Preis oder mit diesem Roman den Belletristik Preis der Leipziger Buchmesse, gewonnen.  

Text und Foto | Alexander Schöne