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MoX - Veranstaltungsjournal
„Volksfeste sind ein immaterielles Kulturgut“
Michael Hempen, Verbandsvorsitzender des Oldenburger Schausteller-
verbandes05.10.2017

<i>MoX - Veranstaltungsjournal</i><br />„Volksfeste sind ein immaterielles Kulturgut“<br />Michael Hempen, Verbandsvorsitzender des Oldenburger Schausteller-<br />verbandes

„Ich gehöre zu einer der ältesten Schaustellerdynastien. Es lag schon immer in dem Naturell unserer Familie, sich verbandsmäßig einzusetzen. Mein Opa hat schon gewisse Vorstandstätigkeiten gehabt, mein Vater war Präsident der Schausteller und ich bin seit 20 Jahren Vorsitzender des Oldenburger Schaustellerverbandes. Wir waren nicht nur um unseren eigenen Betrieb bedacht, sondern wollten die Schaustellerei auch nach außen hin vertreten.“ Michael Hempen kann durch das Aufwachsen im Schaustellergewerbe auf eine belebte und abwechslungsreiche Vita zurückblicken. Seine Familie ist seit ewigen Zeiten im Schaustellergewerbe tätig und demensprechend viel auf Reisen gewesen.  „Meine Eltern sind von einem Volksfest zum anderen gereist. Deswegen kam es dazu, dass ich jedes Jahr so um die 30 verschiedene Schulen besucht habe.“ Zur damaligen Zeit waren die Volksfeste noch mit so genannten Schaubuden bevölkert. Diese zählten in jungen Jahren zu Michael Hempens Tätigkeitsgebiet. „Bis zu meinem 14. Lebensjahr war ich in der Schaubude ‚Marie und Luise - das Mädchen mit den zwei Köpfen‘ tätig. Dort musste ich alles machen, was in einer Schaubude so anfiel. Unter anderem war auch das Marionettenspiel gefragt, das ich perfekt beherrsche.“ Vor diesen Schaubuden erläuterte der Rekommandeur den neugierigen Besuchern, was sich im Inneren befand und gab kurze Ausschnitte aus dem jeweiligen Programm zum Besten, die zumeist mit Musikdarbietungen unterlegt waren. „Die Menschen konnten so selbst entscheiden, ob sie einen Blick hineinwagen. Im Grunde genommen gibt es da sogar eine kleine Parallele zu den heutigen Politikern und ihren Wahlversprechen auf der Bühne. Ob diese dann in die Tat umgesetzt werden, wird sich erst später zeigen.“ Die heutigen Volkfeste haben sich aus früheren Märkten entwickelt, die sich durch ‚Handel und Wandel‘ auszeichneten. Dort tummelten sich allerlei Figuren wie Komödianten, Gaukler, Artisten, aber auch Bänkelsänger. Die Märkte an sich können sogar auf einen kirchlichen Ursprung zurückgeführt werden, wie Michael Hempen ausführlich berichtet. „Den Vergnügungsteil eines Volkfestes, so wie wir ihn heute kennen, gibt es erst seit circa 200 Jahren. Früher war es noch so, dass jeder, der etwas wissen wollte, zum Markt gegangen ist. Der Bänkelsänger berichtete den Menschen, was gerade am Hof oder sonst so in der Welt los war. Heutzutage kann ich ja solche Informationen innerhalb von Sekunden über mein Smartphone abrufen.“ Den Übergang zwischen ‚Handel und Wandel‘ markierten dann die Schaubuden, die den Weg zu den Volksfesten ebneten. Und in Oldenburg steht derzeit auch so ein allseits bekanntes und beliebtes Volksfest an, nämlich der traditionelle Kramermarkt, früher noch Krämermarkt genannt. Zu Oldenburg hat Michael Hempen ein besonderes Verhältnis, denn die Stadt bedeutet im wahrsten Sinne des Wortes Heimat für ihn. „Ich liebe die Stadt und freue mich, Oldenburger zu sein. Zudem kenne ich hier viele Menschen.“ Seine Position als Vorsitzender des Schaustellerverbandes betreibt Michael Hempen ehrenamtlich. „Mittlerweile ist es zu einem 26 Stunden Job am Tag geworden. Alles in allem wird man mit dem Schaustellergewerbe auch nicht gerade reich, aber man kann davon überleben.“ Was viele Besucher von Volksfesten wie denen des Kramermarktes nicht wissen: Bei einem Volksfest bleiben den Schaustellern letztendlich nur 30 %, der Rest bleibt in der Kommune und in der Region, wie Michael Hempen betont. Trotz allem bestätigt er, dass ihm die Schaustellerei viel Freude bereite, vor allem, wenn sich diese Freude auf die Besucher und Besucherinnen übertrage. Vorausgesetzt, die Bürokratie stellt keine allzu hohen Hürden auf. „Wichtig für uns als Schausteller ist es, die Rahmenbedingungen mit den Städten so auszuhandeln, dass es möglich ist, ein Volksfest wirtschaftlich für alle aufzubauen.“ Insgesamt schätzt Michael Hempen den Stellenwert von Volksfesten und dem damit verbundenen Schaustellergewerbe sehr hoch ein, schließlich machen sie ebenso einen Bestandteil unserer Kultur aus: „Volksfeste sind ein immaterielles Kulturgut.“
Text und Foto: Dana Hubrich

Foto:
Fahrradstadt Oldenburg

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