LzO
OLDENBURG
Samstag

18

November

Kostbar 2017
X-Cut
FZO Elektra
Nagelkreuz

Menschen

MoX - Veranstaltungsjournal
„Wir haben optisch gelernt”
Holger Ihler, Gärtnermeister05.09.2017



„Botanische Gärten haben sich aus dem Umstand entwickelt, dass die Menschen früher nicht in der Lage waren, so einfach von einem zu einem anderen Ort zu reisen. Die andersartige Flora ist dementsprechend über die Botanischen Gärten in die Städte gelangt. Das hing auch stark damit zusammen, dass die Sammlertätigkeit der Forscher damals stark verbreitet und ausprägt war.“ So erläutert Holger Ihler kurz und prägnant die Entstehung der Botanischen Gärten, die auch zu seinem Arbeitsgebiet zählen. Er selbst ist gelernter Gärtnermeister und für den Botanischen Garten im Küpkersweg in Oldenburg verantwortlich. Jener Garten ist im Gegensatz zu dem am Philosophenweg nicht der Öffentlichkeit zugänglich, sondern dient rein der Forschung der Studierenden der Carl von Ossietzky Universität und der Ausbildung zum Gärtner in der Fachrichtung Stauden. „Heutzutage dienen die Botanischen Gärten eher dem Erholungswert, was nicht bedeutet, dass der  Bildungswert vernachlässigt wird. Unserer Position liegt auch ein Bildungsauftrag inne, in dem wir die Kenntnisse der Flora vermitteln wollen, um das bestehende, geringfügige Wissen der Schüler wieder aufzustocken. Dafür initiieren wir die sogenannte „grüne Schule“ im botanischen Garten am Philosophenweg.“ Gebürtig stammt Holger Ihler aus Westerstede und bewohnt schon „seit ewigen Zeiten“ die Gemeinde Apen im Ammerland, wie er lachend seine Heimattreue umschreibt. Bereits seit 33 Jahren arbeitet er an der Universität Oldenburg und hat innerhalb dieses Zeitraumes mehrfach die Positionen gewechselt. Unter anderem war er für Pflege der allgemeinen Außenanlagen und für die Entsorgung zuständig. Gärtnerische Tätigkeiten zählten auch damals schon zu seinem Aufgabengebiet. „Meine Haupttätigkeit besteht heutzutage neben der Ausbildung auch in der  Versorgung der Studenten mit Pflanzenmaterial für ihre Forschungen.“ Den Weg dorthin beschritt Holger Ihler mit einer klassischen Ausbildung zum Gärtner. Warum er sich ausgerechnet für diesen Berufsweg entschieden hat, erklärt er sich folgendermaßen: „Dadurch, dass ich auf dem Land aufgewachsen bin, besaß ich schon einen gewissen Bezug zur Natur und zum Garten. Durch meinen Opa habe ich beispielsweise das Graben und den Umgang mit einer Sense gelernt. Eine Büroarbeit wäre für mich nicht in Frage gekommen und da mein damaliger Lehrer die Adresse von einer Gartenbauschule besaß und mir solch eine Ausbildung nahelegte, kam Eines zum Anderen.“ Innerhalb der Ausbildungszeit entschied sich Holger Ihler für die Fachrichtung Zierpflanzenbau. „Dort haben wir vor allem optisch gelernt, also uns damit vorrangig befasst ˈWie sieht die Pflanze aus, wie verhält die sich. Die Studierenden, die wir heutzutage hier im botanischen Garten im Küpkersweg betreuen, lernen das über die Botanik der Pflanze. Da dreht sich alles um Blütenaufbau, Stoffwechsel und zeitliche Ermittlung des Wachstums der Pflanze.“ Zierpflanzer wie Holger Ihler nennen sich im Übrigen auch Kultivateure. Ihnen haftet das Merkmal an, dass sie ihre Pflanzen in und auswendig kennen. „Der Umgang mit Zierpflanzen ist heute minutiös geplant. Gegenwärtig lassen sich alle pflanzlichen Vorgänge steuern. Mit der entsprechenden Technik ist alles möglich. Doch durch die steigende Technisierung geht auch wiederum Wissen verloren“, beklagt der Gärtnermeister die Nachteile, die mit den vermeintlichen Vorteilen einher gehen. Allgemein scheint das Interesse an der Fachrichtung für Zierpflanzen aber rückläufig zu sein, wie er bemerkt. „Zu meiner Zeit befanden sich noch 17 Schüler in der Klasse für den Meisterabschluss in der Fachrichtung Zierpflanzen. Vor zwei Jahren ist die ganze Klasse ausgefallen. Generell sind die landwirtschaftlichen Berufe auch nicht so beliebt. Man muss da schon einiges an Enthusiasmus mitbringen, um das mitzumachen.“ Trotzdem würde sich Holger Ihler für den Beruf des Gärtners sicher noch einmal entscheiden, frei nach dem Zitat des Staudenzüchters und Gartenphilosophen Karl Förster (1870 – 1970): „Wenn ich wieder auf die Welt komme, werde ich wieder Gärtner- und das nächste Mal auch noch, denn für ein einziges Leben ist dieser Beruf zu groß.“

Text und Foto: Dana Hubrich

Foto:
Jugend in Oldenburg

Hier geht es zu den aktuellen Ausgaben

Suche:

direkte Antwort ohne Umwege!

Veranstaltungen

Datum bis
Kategorie
Ort
Location
Festival

Kleinanzeigen