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MoX - Veranstaltungsjournal
Musik ist mein Leben!
Matthias Edo Emken08.08.2017



„Ich kämpfe immer gegen die MS an und das Leben ist aufgrund der Krankheit sehr anstrengend für mich. Trotzdem will ich am Leben aktiv teilhaben und weiterhin viele Konzerte besuchen. Die Krankheit soll nicht die Oberhand gewinnen.“ Der 1963 geborene Matthias Emken ist im Laufe seines Lebens an Multipler Sklerose erkrankt. Während einer Tour mit seiner damaligen Oldenburger Punkband ˈCandylickerˈ bemerkte er erste Anzeichen der Krankheit, die ein Neurologe später als ˈschubförmige MSˈ diagnostizierte. Bei dieser Form von Multiplen Sklerose treten in Schüben Taubheit-und Lähmungserscheinungen in den Gliedmaßen auf. Doch der leidenschaftliche Musikfan Matthias Emken nutzt die Liebe zur Musik stets dazu, um sich von diesem Schicksalsschlag nicht die Lust am Leben zu nehmen. „Ich stehe vor allem auf 77 / 79 Britpunk als auch Amipunk.“ Vor allem hat es ihm die Band ˈThe Clashˈ angetan, deren Frontmann Joe Strummer er vergöttert. Von der Begeisterung zur Musik zeugt nicht zuletzt auch seine Biographie. „Meine ersten Berührungspunkte mit Musik fanden in der Gaststätte meiner Eltern statt. Ich bin in Bockhorn bei Wilhelmshaven aufgewachsen und verbrachte viel Zeit in der elterlichen Vereinskneipe. Da gab es selbstverständlich auch eine Musikbox, auf der ich mir ab und zu Singles aussuchen durfte. Zu der Zeit muss ich ungefähr fünf Jahre alt gewesen sein. Eine Single, an die ich mich noch erinnern kann und als Kind  toll fand, war ˈSchön ist es auf der Welt zu seinˈ von Roy Black und Anita.“ Seine Eltern legten viel Wert auf eine musikalische Erziehung und regten ihre Kinder dazu an, Instrumente zu erlernen. So kam es, dass Matthias Emken als Kind auch Klavierunterricht bekam. Zwar hat er diesen irgendwann abgebrochen, dafür ging es dann mit einem anderen Musikinstrument weiter. „Später habe ich Fanfare im Spielmannszug von Bockhorn gespielt, was mir als gute Zeit in Erinnerung geblieben ist.“ Bei all der Freude durch die Musik wurde es Matthias Emken als junger Mensch aber dann doch zu eng in der ländlichen, vermeintlichen Idylle. Abgestempelt als randalierender, gewaltbereiter Anarchopunk, wurde er oftmals mit negativen Ereignissen in Verbindung gebracht, obwohl er mit diesen zumeist nichts tun hatte. „Damals war ich in der linken Szene sehr aktiv und bin des Öfteren zu diversen Demos gefahren, wie beispielsweise zu der nach Gorleben. Obwohl ein negatives Bild von der linken Szene bestand (und zum Teil immer noch besteht), haben meine Eltern aber immer zu mir gestanden!“ Die Überwachung auf dem Dorf trug im Wesentlichen dazu bei, dass Matthias Emken die Flucht ergriff. „Mit 17 bin ich dann aus Bockhorn abgehauen und nach Wilhelmshaven gezogen. Dort kam ich über ein paar Kumpels in den Kontakt mit der Punkband ˈAbgang de Luxeˈ, die gerade einen neuen Schlagzeuger suchten. Da ich mir autodidaktisch Schlagzeug beigebracht hatte, bin ich dann auch bei ˈAbgang de Deluxeˈ am Schlagzeug eingestiegen. Währenddessen habe ich noch meine Landwirtschaftslehre absolviert, die „Abgänger“ haben mich dann auch immer zum Proben von der Lehre abgeholt.“ Nachdem Matthias Emken seine Ausbildung als Landwirt abgeschlossen hatte, verbrachte er einige Zeit in Berlin. „Das war Anfang der 80er Jahre, also Hausbesetzerzeit. Ich hing vorwiegend in der linken Szene ab und war politisch engagiert.“ Später zog es Emken aufgrund einer Erzieherausbildung nach Oldenburg. Hier raufte sich die Punkerband ˈCandylickerˈ zusammen, in der Emken den Gesang übernahm, wie auch in der darauffolgenden Musikgruppe ˈNo Not Nowˈ, die sich dem Punk’n’Roll verschrieben hatte. „Ich bin eine Rampensau und besitze Ausstrahlung. Menschen mögen mich, wenn ich auf der Bühne stehe! Das muss eine Band schon auch aushalten können.“ Durch die Krankheit musste Matthias Emken irgendwann das rasante Bandleben aufgeben. Wie sich die Krankheit entwickelt, kann schwer vorausgesagt werden. „Man nennt sie auch die ˈKrankheit der Tausend Gesichterˈ, weil sie so unberechenbar ist. Momentan geht es mir aber total gut. Ich führe ein schonendes Leben und nehme andere Medikamente als früher.“ Der Musik treu geblieben ist Matthias Emken durch seinen DJ-Job.
Text und Foto: Dana Hubrich

Foto:
Über den Dächern von Oldenburg

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