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MoX - Veranstaltungsjournal
Versorgung von „gefiederten“ Patienten
Dr. Inken Sander, Fachtierärztin für Geflügel25.07.2017



Wenn man die Praxis von Dr. Inken Sander betritt, empfängt einen ein geräuschvolles Konzert aus unterschiedlichen Vogellauten. Das ist schon ein unüberhörbares Piepen und munteres Trällern, das einem geradewegs in die Ohren fährt. Denn hier befinden sich bereits gefiederte Patienten, die versorgt werden müssen. Manche davon benötigen eine tägliche Dosis an Medikamenten. „Wenn die Besitzer im Urlaub sind, behandele ich sie auch stationär und bringe sie in meiner Praxis unter.“ Und die Beschwerden, die die kleinen Vögel plagen, sind den menschlichen gar nicht so unähnlich. Sei es nun ein Mittel gegen Arthrose oder Herzbeschwerden, das gegen die entsprechende Krankheit bei den Vögeln wirken soll. Inken Sanders offizielle Bezeichnung lautet Fachtierärztin für Geflügel, doch ihre Praxis ist ebenso für Heimtiertiere ausgelegt. „Zwar versorge ich auch beispielsweise Hunde, Katzen und Kaninchen, die Vögel aber machen den Großteil meiner Patienten aus.“ Doch favorisiert sie auch die Arbeit mit den gefiederten Patienten? Nach einem anfänglichen Zögern gibt sie zu, dass sie schon gerne mit den Vögeln arbeitet und mit ihnen zusammen ist. „Mit Vögeln zu arbeiten und sie zu versorgen ist schon etwas ganz anderes! Schon allein von ihrer Physiologie und Anatomie her.“ Hierbei gibt Inken Sander auch einen Einblick in die umfangreiche Welt der Vögel. „Momentan existieren ungefähr 10.000 Vogelarten, die nach genetischen Verwandtschaften unterschieden werden. Doch kann sich das nächstes Jahr schon wieder ändern. Generell kann man Vögel nach verschiedenen Gesichtspunkten sortieren.“ Hauptsächlich geht es Inken Sander aber um eine gelungene Versorgung: „Ich freue mich immer wieder, wenn ich die Vögel wieder gesund bekomme!“ Privat hält sie sich auch Vögel zu Hause, zudem erstreckt sich ihre Arbeit auch auf ihre Freizeit. Denn oftmals bringen die Leute Fundvögel zu ihr, die sie dann oftmals auch außerhalb ihrer Arbeitszeit wieder aufpäppelt. Zumeist werden viele Wellensittiche, aber auch Nymphensittiche und Kanarienvögel in ihre Praxis gebracht. Dazu stoßen diverse Papageienarten und Wildvögel, ab und zu gesellt sich auch ein Greifvogel dazu, der von einem Falkner übergeben wird. Dabei besitzt jeder Vogelpatient seinen ganz eigenen Kopf: „In der Regel sträuben sich alle Vogelpatienten, schließlich sind es Fluchttiere. Sie mögen es nicht, in der Hand gehalten zu werden, weil somit ihre Fluchtmöglichkeit eingeschränkt wird. Wenn man aber einen richtigen Griff anwendet, verhalten die Tiere sich dann ruhiger. Den richtigen Griff kann man im Übrigen auch lernen.“ Schon sehr früh beschloss Inken Sander, beruflich etwas mit Tieren zu machen. Vielleicht war der Umstand, dass sie viel Zeit auf dem Bauernhof ihrer Großeltern verbracht hat, nicht unerheblich. Zudem hat sie schon als Kind Zebrafinken gehalten und gerne die Gartenvögel mit einem Fernglas beobachtet. Später folgte dann ein Bildungsweg, der sie auf eine Arbeit mit den Tieren vorbreiten sollte. „Zunächst absolvierte ich ein Tiermedizinstudium in Hannover, danach folgte eine Ausbildung zur Fachtierärztin. Damit man sich auch schon während des Studiums auf eine Fachrichtung spezialisieren kann, ist so ein Studium heutzutage anders aufgebaut als zu meiner Zeit. Damals bestand nicht so eine große Auswahl an Möglichkeiten, wo man studieren kann. Daran hat sich kaum etwas geändert.“ Tierärzt*innen, die sich für die Fachrichtung Geflügel entschieden haben, sind nach wie vor nicht so häufig anzutreffen, wie Inken Sander bemerkt. „Zu meiner Zeit gab es nicht so viele Ärzte, die eine Fortbildungsgenehmigung besaßen, um in dieser Fachrichtung zu lehren. Darüber hinaus finden viele Menschen diese Fachrichtung nicht so interessant.“ Die von Inken Sander im Alleingang betriebene Praxis befindet sich übrigens in ihrem Wohnhaus. Das ist insofern praktisch, dass man auch mal öfters nach den stationären Vogelpatienten sehen kann. Ihr wiederkehrendes Piepen und Tirilieren ist der stetige Begleiter im Alltag von Inken Sander. „Das ist ungefähr so, als wenn man an einer Bahnlinie wohnt. Irgendwann registriert man diese Außengeräusche nicht mehr. Nachts sind die Vögel dann aber ruhig!“ Fügt Inken Sander mit einem Lächeln hinzu.
Text und Foto: Dana Hubrich

Foto:
Gärten in der Innenstadt

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