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MoX - Veranstaltungsjournal
Menschen stärker machen
Constanze Schnepf von der Antidiskriminierungsstelle bei Ibis11.04.2017



„Zur Antidiskriminierungsstelle von Ibis e. V. kommen in der Regel Menschen, die keine schönen Geschichten zu erzählen haben. Viele berichten von persönlichen Erfahrungen, von Unrecht, das ihnen widerfahren ist.” Dabei geht es um die unterschiedlichsten Diskriminierungen, die in der Gesellschaft passieren können, egal ob diese in der Schule, der Freizeit oder dem beruflichen Umfeld auftreten. Der Sozialarbeiterin geht es dabei nicht in erster Linie um eine rechtliche Beratung, sondern um die persönliche Stärkung jedes einzelnen Menschen.
„Viele Menschen, die von Diskriminierungen betroffen sind, wollen sich oft nicht wehren, denn sie glauben nicht daran, dass sich etwas in der Gesellschaft ändern kann“, erklärt Constanze Schnepf. Wenn Menschen zu ihr in die Antidiskriminierungsstelle bei Ibis kommen, dann geht es Schnepf darum, diese Menschen stärker zu machen, also sie aus einer Situation herauszuführen. „Ich möchte in den Menschen die Energie wecken, etwas gegen Diskriminierungen zu tun“, so Schnepf. Wer eine Diskriminierung erlebt hat, der reagiert darauf oft auf zweierlei Art. Entweder man versucht, gegen die Ungerechtigkeit vorzugehen oder man vermeidet Situationen, in denen es zu einer Diskriminierung kommen könnte. Wem z.B. der Eintritt in eine Diskothek verwehrt wird, der versucht es dann beim nächsten Mal erst gar nicht wieder. Gegen diese Einstellung will Constanze Schnepf vorgehen.
„Mein Antrieb ist es immer gewesen, die Menschen zu stärken. Wer hier hinkommt, soll einen neuen Weg für sich finden“, erklärt sie. Diskriminierungen betreffen dabei nicht nur den Einzelnen, sondern gehen die ganze Gesellschaft etwas an: „Wer diskriminiert wird, der verliert ein Stück gesellschaftlicher Realität, aber die Gesellschaft darf nicht in verschiedene Welten zerfallen, in denen die Menschen dann leben.“ Daher gehört es auch zu den Aufgaben der Sozialarbeiterin, ein gesellschaftliches Bewusstsein für Diskriminierungen zu schaffen. Dazu stellt die Antidiskriminierungsstelle Infomaterial bereit und organisiert Veranstaltungen zu unterschiedlichen Themen. Ein Ende ihrer Aufgabe ist derweil nicht abzusehen. „Ich habe den Eindruck, dass die gemeldeten Diskriminierungen immer krasser werden und viele Leute inzwischen resignieren“, erzählt sie. Alltagsrassismus werde eher hingenommen als noch vor ein paar Jahren: „Wir müssen aufpassen, dass wir da ein bestimmtes Level nicht überschreiten.“
Ihr Studium zur Sozialarbeiterin hat Schnepf in Bochum absolviert. Schon während des Studiums engagierte sie sich im Antidiskriminierungsbereich und organisierte Veranstaltungen. Ihre Diplomarbeit verfasste sie zur Diskriminierung von Frauen mit Behinderungen. Für Constanze Schnepf, die selbst auf einen Rollstuhl angewiesen ist, ein persönliches Thema. „Ich brauche auch persönlich eine Gesellschaft, in der sich die Menschen helfen, in einer Gesellschaft in der alle Menschen gleichgültig sind, könnte ich nicht leben“, erzählt sie. Ihre Arbeit ist daher auch nicht von ihrem Willen zu trennen, die Gesellschaft besser zu machen. Auch in ihrer Freizeit engagiert sie sich daher in Initiativen wie dem Oldenburger Mediationszentrum. Auch in den Arbeitsgruppen zum Oldenburger Inklusionsprozess war sie beteiligt. „Die Frage, welche Teilhabemöglichkeiten es für alle Menschen in einer Gesellschaft gibt, ist mir wichtig“, sagt sie.
Bei ihrem vielfältigen gesellschaftlichen und beruflichen Engagement wundert man sich, dass Constanze Schnepf noch Zeit für Freizeitbeschäftigungen findet: „Ich reise sehr gerne, erst letztens war ich auf der Leipziger Buchmesse und allgemein sehe ich sehr gerne etwas von der Welt“. Daneben schreibt sie gerne eigene Texte und malt: „Ich bin neugierig auf alles, was den Menschen hilft und auf alles, was Menschen stärker macht.“
Text und Foto: Christoph Kienemann



Info
Constanze Schnepf ist vielfältig politisch wie sozial engagiert. Sie arbeitet besonders gegen Diskriminierungen jeder Art.

Foto:
Fahrradstadt Oldenburg

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