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Wochenzeitung DIABOLO:
Die Zukunft der Pflege
OFFIS koordiniert bundesweites Pflegeinnovationszentrum06.07.2017



Täglich sind in Deutschland mehrere Millionen Menschen auf Pflegedienstleistungen angewiesen und bis zum Jahr 2070 ist mit einer Verdopplung zu rechnen. Dennoch fehlt im Pflegebereich Personal, sind die Belastungen zu hoch und die Löhne zu niedrig. Daher bedarf es nun der richtigen politischen Weichenstellungen und technischer Innovationen, damit die Pflege auch in Zukunft sicher gestellt werden kann.

Damit in der Pflegebranche die Weichen auf Zukunft gestellt werden können, gilt es, verstärkt auf moderne Technologien zu setzen. Diese können von der Langzeitpflege, über die häusliche Krankenpflege bis hin zur Krankenhauspflege viel zur Unterstützung beitragen. Die Entlastung von Pflegefachkräften und pflegenden Angehörigen schafft darüber hinaus mehr Freiraum für zwischenmenschliche Zuwendung. Wichtig ist jedoch vor allem, dass der gezielte Einsatz von Technologien dazu beitragen kann, die Selbstständigkeit, Selbstbestimmung und die Lebensqualität von Pflegebedürftigen zu erhalten.
Im Oldenburger Informatik-Institut OFFIS wird seit Jahren an Lösungen in diesem Bereich geforscht. Jetzt wird das Bundesministerium für Bildung und Forschung mit Forschungsgeldern von 20 Millionen Euro die Arbeit des OFFIS unterstützen und ein Forschungscluster „Zukunft der Pflege“ finanzieren. Als erstes Modul dieses Clusters wird in Deutschland das einmalige Pflegeinnovationszentrum (PIZ) am OFFIS seine Arbeit aufnehmen. Das Oldenburger Institut wird die Koordination des PIZ übernehmen und innovative Lösungen zur bedarfsgerechten Unterstützung von Pflegebedürftigen und Pflegekräften im Alltag entwickeln. „Erprobt werden sowohl existierende Produkte am Markt als auch aus Forschungsprojekten“, erläutert Prof. Dr. Susanne Boll-Westermann, die zusammen mit Prof. Dr.-Ing. Andreas Hein die wissenschaftliche Leitung des PIZ innehat. Prof. Hein ergänzt: „Die Ergebnisse werden wir in Laboren und Showräumen für die Fachöffentlichkeit und für die Weiter- und Ausbildung in der Pflegebranche zugänglich machen.“ Weitere Partner im PIZ sind die Universität Oldenburg, die Universität Bremen und das Hanse Institut Oldenburg. Im OFFIS sollen neue Konzepte der Mensch-Maschine-Interaktion, der Einsatz von Robotik sowie Technologien wie Augmentierte und Virtuelle Realität erforscht werden.
Das geplante Forschungscluster wird ab dem Jahr 2018 aus vier Pflegepraxiszentren in Baden-Württemberg, Bayern, Berlin und Niedersachsen bestehen. Auf diese Weise soll ein möglichst enger Austausch zwischen Forschung und Praxis realisiert werden. Bundesforschungsministerin Johanna Wanka zum Cluster: „Egal ob Tassen, die die Flüssigkeitsaufnahme überwachen, oder Sensorsysteme, die erkennen, dass eine Person gestürzt ist und eigenständig Hilfe rufen – unterschiedlichste technische Innovationen werden den Menschen künftig unterstützen und im alltäglichen Leben entlasten. Mit dem Pflegecluster bringen wir Forschung und Praxis enger zusammen und sorgen dafür, dass hilfreiche digitale Assistenzsysteme im Alltag erprobt und weiterentwickelt werden.“
Schon heute ist die Pflegebranche die größte Berufsgruppe im deutschen Gesundheitswesen. Auf dem Pflegekongress in Berlin wurde jedoch vor einem absehbaren Kollaps der MitarbeiterInnen gewarnt, sollte sich die Situation von PflegerInnen nicht verbessern. Bis zum Jahr 2050 rechnet man mit einem Bedarf von weiteren 1,5 Millionen PflegerInnen. Zuletzt verabschiedete der Bundestag ein Gesetz, dass die Ausbildung in Pflegeberufen attraktiver machen soll. Ab 2020 sollen Alten-, Kranken- und Kinderkrankenpflege in der Ausbildung zusammengelegt werden. Allerdings nur während der ersten beiden Ausbildungsjahre. Anschließend besteht weiterhin die Möglichkeit zur Spezialisierung. Zu Verbesserung der Arbeitsbedingungen und weiteren Attraktivitätssteigerung der Pflege, schlägt Die Linke zudem vor, den Mindestlohn in der Branche auf 14,50 Euro zu erhöhen, während die SPD auf eine Arbeitszeitverkürzung setzt. Die FDP will das Problem hingegen über ein Einwanderungsgesetz lösen und gezielt Einwanderer anwerben.

text  |  Christoph Kienemann

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