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Experimenteller Jazz vom Sokolov Duo17.05.2017



Wer in Oldenburg nach Bands aus dem Umfeld von Punk, Stoner, Alternative, Metal oder Folk sucht, der wird schnell fündig. Doch was tun, wenn man eher Lust auf Jazz oder experimentelle Musik hat? Dann könnte man zum Beispiel beim Sokolov Duo reinhören. Hinter diesem Namen verbirgt sich der Wunsch, die Grenzen des Jazz neu auszuloten.

Wo lernen sich Jazz-Musiker heutzutage kennen? Natürlich bei einem Fahrradrennen. „Ich habe Niko das erste Mal in Bremen gesehen, bei einem Radrennen, wo er durch sein CCCP-Outfit aufgefallen ist“, erinnert sich Schlagzeuger Jonathan an seine erste Begegnung mit Saxofonist Niko. Erst später trifft sich das Duo wieder, diesmal in Oldenburg, wo man inzwischen studiert: „Dann hat er mich einfach gefragt, ob wir nicht mal was zusammen machen wollen und dass lief dann gleich ziemlich gut.“ Was auch daran lag, dass sich beide recht schnell einig waren, in welche Richtung ihr Jazzprojekt gehen sollte. „In Oldenburg ist es allgemein schwierig, Musiker zu finden, die Lust auf Experimente haben und die etwas Neues probieren wollen“, meint Niko. Die große Mehrheit der Bands bewegt sich im Metal oder Stoner-Bereich und auch an der Uni ist es mit der Experimentierfreudigkeit nicht allzu weit her, viele Studenten spielen lieber in Ensembles und fügen sich dort in einen vorgegebenen Rahmen ein. „Nichts gegen Stoner oder Latin, aber manchmal will man doch etwas anderes machen“, so Niko.
Ausgetretene Pfade soll es aber beim Sokolov Duo nicht geben. Saxofon und Schlagzeug werden hier durch einen Synthesizer und einen Looper ergänzt. So ergibt sich ein Klangbild irgendwo zwischen Jazz, Trance, World Music und Brass Band. „Am Anfang haben wir viel rumprobiert und als Schlagzeuger musste ich mich erstmal daran gewöhnen, mit den Rhythmen des Synthies zu spielen, aber man hat schnell gemerkt, dass das Zusammenspiel funktioniert“, so Jonathan. Schnell entstanden erste Kompositionen, jenseits gängiger Songstrukturen. Saxofon und Schlagzeug spielen vielmehr um die Synthi-Sounds herum. Die Musik des Duos ist daher auch wenig harmonisch, sondern eher komplex. „Vielleicht ist unsere Musik zu experimentell für die meisten Menschen, die bisherigen positiven Rückmeldungen haben uns daher selber ein bisschen überrascht“, findet Niko. So konnte man das Sokolov Duo bereits live im Oldenburger Polyester erleben, wo der spezielle Jazz des Duos ausgesprochen gut ankam. In Zukunft sollen dann auch weitere Konzerte folgen, beispielsweise bei der kulturellen Landpartie oder dem nächsten PolyFestival. Im Sommer plant das Duo dann noch eine Tour als Straßenmusiker. 10 Tage lang will man unterwegs sein und einfach spielen und so die Leute mit ihrer Musik konfrontieren: „Synthesizer und Looper kann man auch mit Batterie betreiben, daher ist das kein Problem.“ Auf diese Weise umgeht man auch noch ein weiteres Problem, denn gerade für junge Bands ist es nach wie vor schwer, Gigs und Auftrittsmöglichkeiten zu finden.
Angedacht ist darüber hinaus, die bisher erarbeiteten Kompositionen aufzunehmen, aber dies gestaltet sich gar nicht so leicht. „Bei uns entsteht eigentlich alles durch das Feeling und die Kommunikation untereinander und daher können wir nicht einfach die Instrumente einzeln aufnehmen“, so Jonathan. „Wir würden gerne auch mit Gastmusikern zusammenarbeiten, vielleicht einen Gitarristen einladen oder eine Posaune“, blickt Niko voraus. Einstweilen genießt man aber das gemeinsame Experimentieren und die Suche nach neuen Klangbildern: „Der Vorteil an einem Duo ist es ja, dass sich alles einfach organisieren lässt, wir können spontan proben, immer dann wann wir Zeit und Lust haben, es gibt keine festen Termine, alles ist entspannt und das macht einfach Spaß.“

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