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Wochenzeitung DIABOLO:
Müllvermeider
Stadt Oldenburg unterstützt bei Umstellung auf Mehrwegbecher20.04.2017



Praktisch sind sie ja schon, die vielen Pappbecher, mit denen man seinen morgendlichen Kaffee unfallfrei genießen kann. Gerade bei Berufspendlern, aber auch bei Reisenden erfreuen sich Coffee-to-Go-Becher seit Jahren großer Beliebtheit, aber auch viele, die eigentlich ihren Kaffee aus einer Tasse trinken könnten, greifen oft zur Alternative aus Pappe. Die Folge des Vorgehens: ein ebenso großer, wie vermeidbarer Müllberg, gegen den nun viele Städte etwas unternehmen wollen.

Kann man sich 2,8 Milliarden Kaffeebecher vorstellen? Die Deutsche Umwelthilfe hat berechnet, dass die Deutschen jedes Jahr diese Menge an Einwegbechern in den Müll werfen. Zu diesem Müllberg, der im schlimmsten Fall auf einer Deponie oder in einem Kraftwerk landet und im besten Fall aufwändig recycelt werden muss, kommt dann noch die Menge an Energie, die für die Produktion der Becher aufgewendet werden muss. Eine Großstadt wie Schwerin könnte ein Jahr lang von der verbrauchten Strommenge leben. Für die Jahresproduktion der Coffe-to-Go-Becher müssen 43.000 Bäume gefällt werden und zusätzlich fällt ein Wasserverbrauch von 1,5 Milliarden Litern an. Auch davon könnte schon in Deutschland eine mittlere Kleinstadt ihren Jahresverbrauch decken. Über acht Liter Kaffee trinken die Deutschen pro Jahr aus Pappbechern. Dass diese an der Innenseite mit Polyethylen beschichtet sind, macht die Sache noch schlimmer. Denn das Material lässt sich nur schlecht recyceln, es besteht aus Rohöl und verursacht in der Herstellung erhebliche CO2-Emissionen. Allein in Berlin werden am Tag 460.000 in den Müll geworfen. Da diese Mengen inzwischen auch die Recyclingbetriebe vor große Herausforderungen stellen, überlegen sich in ganz Deutschland Städte und Gemeinden, wie sie der Müllberge Herr werden können.
„Einige Betriebe in Oldenburg haben bereits ein System eingeführt, bei dem Getränke zum Teil vergünstigt in mitgebrachte Becher gefüllt werden“, sagt Stadtbaurätin Gabriele Nießen. „Dieses Angebot wird aber noch nicht stark nachgefragt. Wir möchten durch Informationsangebote die Umstellung auf ein möglichst flächendeckendes System in Oldenburg unterstützen, an dem sich viele Betriebe beteiligen.“ Die Stadtverwaltung hatte zu diesem Zweck eine Informationsveranstaltung durchgeführt, bei der Vertreter der Firmen Bodum/Dallmayr und reCup ihre Mehrwegbecher vorstellen konnten. Ebenso vertreten war eine Berufsbildende Schule aus Göttingen, die einen eigenen Entwurf für einen Mehrwegbecher vorstellen konnte. Anwesend waren Führungskräfte und Beschäftigte zahlreicher Bäckereien und Cafés aus ganz Oldenburg sowie Vertreterinnen und Vertreter des Studentenwerks, des Fachgroßhandels für Bäckereien und Konditoreien, des Abfallwirtschaftsbetriebs sowie der Politik. Die Deutsche Umwelthilfe zeichnete derweil ein Berliner Projekt aus, in dem sich 15 Cafés in den Berliner Bezirken Neukölln und Kreuzberg zusammen geschlossen haben, die ihren Coffee-to-Go in standardisierten Mehrwegbechern mit Pfand verkaufen. „Die Initiative „Boodha – Just swap it“ setzt mit ihrem Pilotprojekt ein wichtiges Zeichen gegen den umweltschädlichen Einwegtrend. Es zeigt aber vor allem, dass Poolsysteme für Mehrwegbecher hervorragend funktionieren. Wenn Verbraucher die Möglichkeit haben, ihren bepfandeten Mehrwegbecher nach der Nutzung in anderen Cafés schnell wieder abzugeben“, sagt Thomas Fischer, Leiter für Kreislaufwirtschaft bei der Deutschen Umwelthilfe. Sogar die Deutsche Bahn ist inzwischen auf den Zug aufgesprungen und schenkt nun auch Kaffee in Mehrwegbechern aus, die die Fahrgäste selbst mitgebracht haben. Der Kaufpreis reduziert sich dafür um 10 Cent. Das Bundesumweltministerium will in diesem Fall nicht gesetzgeberisch aktiv werden, hier setzt man auf eine freiwillige Lösung. Ob dies reicht? Im vergangenen Jahr war die Bundesrepublik erneut der Europameister in der Produktion von Verpackungsmüll und ein Ende ist zunächst nicht in Sicht. Immerhin wird der Bundestag ein Mehrwegbecher-System einführen.

Text und foto  |  christoph kienemann

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