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Wochenzeitung DIABOLO:
Urban upcycling à la Daniel Fuhrhop
Daniel Fuhrhop ist mit seinem „Verbietet das Bauen!“-Buch in aller Munde31.03.2016





Die Neubauwut grassiert im Lande, wobei selbst Fachleute jene zügig aus dem Ruder laufenden Kosten mancher Projekte vorab immer seltener realistisch benennen können. Die Elbphilharmonie sollte Hamburg ursprünglich 77 Millionen Euro kosten, mittlerweile erscheinen rund 800 Millionen zu Buche zu schlagen; ob Stuttgart 21 oder Berlin-Brandenburgs neuer Hauptstadtflughafen, wann bei derartigen Prestigebauten zur feierlichen Eröffnung geladen werden mag, steht in den Sternen.
Aber auch unabhängig von solch ewigen Großbaustellen realisieren Deutschlands Firmen, Konzerne und Häuslebauer alljährlich unzählige Quadratmeter Handels- und Büroflächen nebst mehr als 200 000 Wohnungen. Längst nicht genug, meint Bundesbauministerin Barbara Hendricks. Einer aktuellen Studie zufolge brauchen wir in Deutschland derzeit 400 000 neue Wohnungen, jedes Jahr wohlgemerkt. Was uns angesichts dieser Empfehlung stutzig machen sollte, ist etwa die Tatsache, dass in der Bundesrepublik von 1995 rund 80 Millionen Menschen lebten, fast genauso viele wie heutzutage – den Flüchtlingsaspekt mal ausgeklammert. In diesem Zeitraum stieg die Zahl der Wohnungen von 35 auf 41 Millionen, was nichts anderes bedeuten mag, als: Mehr Raum für vor allem die meisten Großstädter. Das Schizophrene an dieser Situation liegt nun nicht nur darin, dass es für viele Mieter mit Altverträgen  in den Ballungsräumen günstiger ist, nach Auszug der Kinder oder Tod des Partners in der großzügig bemessenen Wohnung zu verbleiben, ein Blick in diverse Statistiken offenbart im Westen und Osten der Republik gleichermaßen den ganzen Schwachsinn. Da stehen in Wuppertal 13.000 Wohnungen leer, hat die schrumpfende Stadt trotzdem 33 neue Wohnbaugebiete ausgewiesen. In Cottbus wurden in den Nullerjahren 9000 Wohnungen abgerissen und gleichzeitig tausend neue gebaut.
Vermutlich gut 20 Prozent aller Energie verbrauchen wir für Heizen und Warmwasser – weshalb es staatlicherseits Zuschüsse für Modernisierungsvorhaben gibt. Die Industrie pflichtet dem bei, indem es oftmals heißt: Die Sanierung von alten Häusern lohne nicht, man müsse abreißen, um zeitgemäße Passivhausstandards erreichen zu können. Nüchtern betrachtet wird uns da allerdings keine Rechnung aufgemacht, die  neben der Energie fürs Heizen im Neubau auch jene Posten berücksichtigt, die auflaufen in puncto Abriss, Neubau, Materialverschwendung, Transport – dann nämlich spricht viel fürs Altbausanieren.
Der Wahl-Oldenburger Bauexperte Daniel Fuhrhop, studierter Stadtplaner, Betriebswirt und mit seinem „Verbietet das Bauen!“-Buch in aller Munde, belegt diese nur scheinbar radikale These seines Buches mit vielen größtenteils plausiblen Argumenten, so dass wir uns nach 192 hochinformativen Seiten mit geschärftem Blick durch Stadt und Land bewegen. Anschaulich wird belegt, dass in den seltensten Fällen Bedarf, sondern eher ein Übermaß an Geld die Bauwut entfacht: Internationale Banken, Fonds, Versicherungen investieren ihr Kapital derzeit gern in den Bau neuer Büros und Wohnhäuser im stabilen Deutschland. Alte Stadthallen würden öfters kaputtgespart, um dann neue bauen zu können, solange es für schicke Neubauprojekte Gelder vom Bund und Land gebe, der Betrieb aber Sache der Kommunen sei. Derweil fressen all die Niedrigenergie-, Effizienz- und Passivhäuser der Pendler bisher unverbaute Flächen, produzieren sie neuen Verkehr – fürwahr ein Sisyphosdilemma. Nun gibt Fuhrhop mitnichten ausschließlich den Mythenmörder, fügt er seiner Zustandsbeschreibung jede Menge Vorschläge an, wie sich’s besser lösen ließe. Von Altbausanierung bis Leerstands-Management, von Imagekampagnen für scheinbar randständige Wohnorte bis hin zu ganz neuen Formen der Wohnraumnutzung wird nichts ausgespart. So stehen allein in den 19 größten deutschen Bürostandorten acht Millionen Quadratmeter Büros leer, hinzu kommen eine Million ungenutzter Wohnungen und darüber hinaus Hunderte Fabrikhallen und Kasernen – Quartiere für jeden Geldbeutel. Clevere Ideen machen Neubauten überflüssig – so fand das Karlsruher Institut für Technologie einen dringend benötigten Arbeitsraum im Foyer des nahen Staatstheaters. Dort bot sich diese tagsüber leerstehende Fläche an, kann mittlerweile als Lesesaal der Studierenden genutzt werden, bevor am Abend wieder ein Theaterfoyer draus wird. Das Braunkohletagebau-abrissgefährdete Dorf Kerpen-Manheim war längst entvölkert, obwohl es erst 2022 dem Tagebau zum Opfer fallen sollte – derzeit leben dort 70 Flüchtlingsfamilien. Viel Platz also in ehemaligen Kasernen (siehe Oldenburg Donnerschwee), Krankenhäusern, Büros (siehe Oldenburgs Gerichtsviertel) und leer stehenden Wohnungen; Fuhrhops Fazit nicht nur in puncto Flüchtlingskrise: Neubau überflüssig!
TEXT | Horst E. Wegener




Für seine Streitschrift „Verbietet das Bauen“ verwendete Daniel Fuhrhop einen Titel, unter dem er bereits als Student 1996 im Architekturmagazin der hauptstädtischen Tageszeitung Der Tagesspiegel einen polemischen Beitrag veröffentlicht hatte. Nachdem der gebürtige Wuppertaler ursprünglich ein Studium der Architektur an der TU Berlin begonnen und bis zum Vordiplom absolviert hatte, schwenkte Fuhrhop auf Betriebswirtschaftslehre um und wurde statt Diplom-Ingenieur nun Diplom-Kaufmann. Hernach gründete er 1998 den Architekturverlag Stadtwandel. Zu 2013 verkaufte der mittlerweile in Oldenburg wohnende Kleinverleger seinen Berlinverlag, auch weil in ihm der Wunsch gereift war, nicht mehr für Neubau werben zu wollen, sondern ihn zu kritisieren. Im Herbst 2013 startete Fuhhops Blog „Verbietet das Bauen“, dem im August 2015 das gleichnamige Buch im oekom Verlag nachgeschoben werden konnte.

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