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Wochenzeitung DIABOLO:
Zeichen der Versöhnung09.11.2017



Am 14. November des Jahres 1940 bombardiert die deutsche Luftwaffe die englische Stadt Coventry. Auch die Kirche wird zerstört. Probst Richard Howard findet in den Trümmern Zimmermannsnägel, die er zu einem Kreuz verbindet und schreibt am Tag nach dem Bombardement ein Versöhnungsgebet. Hieraus erwuchs die Nagelkreuzgemeinschaft, der in Deutschland z.B. die Aktion Sühnezeichen Friedensdienste angehört und die sich für eine Kultur des Friedens einsetzt. Die Oldenburger Sandra und Heiner Meyer wollen nun das Nagelkreuz als Symbol wieder bekannter machen und produzieren ein Nagelkreuz als Schmuckanhänger.

DIABOLO: Woher kam die Idee zu ihrem Projekt?
Heiner Meyer (HM): Wir waren Pfingsten 2016 in Berlin. In der Gedächtniskirche stand auch ein Nagelkreuz,  das aus den Zimmermannsnägeln der Dachbalken der Coventry Cathedral gebaut wurde.
Sandra Meyer(SM): Die Kreuze stehen in Kirchen, die im 2. Weltkrieg zerstört wurden, wie die Kirche in Coventry. Später hat sich dann eine Gemeinschaft gebildet, die sich für Versöhnung und ein Miteinander der Kulturen einsetzt.
HM: Wir haben dieses Kreuz gesehen, uns mit der Thematik beschäftigt und mit der Aussage, die dahinter steckt und auch heute noch aktuell ist.
DIABOLO: Wie kann man die Faszination beschreiben, die das Nagelkreuz auf Sie ausstrahlt?
SM: Der erste Gedanke war: Wir möchten etwas mitnehmen, vielleicht ein Andenken kaufen. Etwas für uns, das man tragen kann. Aber es gab nichts. In Oldenburg haben wir uns dann ein Kreuz von der Goldschmiede TiTO nachbauen lassen. Das Ergebnis war dann so schön, dass wir auch andere Leute daran teilhaben lassen wollten.
DIABOLO: Wie sah der Weg aus, von der Idee zum Projekt?
HM: Nachdem wir das Kreuz von der Goldschmiedin erhalten hatten, haben uns Freunde darauf angesprochen und waren sowohl von dem Kreuz an sich, als auch von der Geschichte dahinter begeistert. Einige wollten dann auch ein Nagelkreuz haben. Dann haben wir überlegt, was wir machen können, denn wir durften das Kreuz ja nicht einfach reproduzieren. Wir recherchierten und haben die Nagelkreuzgemeinschaft in England angesprochen.
SM: Es hat dann eine Zeit gedauert bis wir aus England eine Antwort hatten. In der Zwischenzeit sind wir zu der deutschen Nagelkreuzgemeinschaft gefahren, die waren auch begeistert, aber alles musste noch von Coventry abgesegnet werden.
HM: Ich wollte dann nicht nur mit einem Muster rüberfahren, sondern ich wollte eine richtige Produktion machen. Ich habe dann ein Gesamtpaket aus Kreuz, Verpackung und Faltblatt mit Hintergrundinfos erarbeitet und damit sind wir nach Coventry gefahren. Das war im Oktober 2016. Auch Coventry war begeistert und gab uns die Erlaubnis, das Nagelkreuz zu reproduzieren. Weltweit ist das jetzt einzigartig.
DIABOLO: Die Geschichte des Kreuzes und des Versöhnungsgebetes passen sehr gut in die heutige Zeit.
HM: Das sind topaktuelle Themen. Rechtspopulisten, AfD, Amerika, die Flüchtlingsfrage. Jetzt haben wir ein Zeichen das zeigt, dass man sich gegen Rassismus oder die Ausbeutung Afrikas einsetzt. Die Nagelkreuzgemeinschaft ist ja beispielsweise auch in der Flüchtlingshilfe aktiv.
SM: Es steht auch für einen respektvollen Umgang miteinander, als klassisches Symbol der Versöhnung. Unsere Aufgabe ist jetzt, dieses Symbol bekannter zu machen und die Leute zum Nachdenken anzuregen und sie für diese Themen zu sensibilisieren.
DIABOLO: Werden Sie von anderen Menschen schon auf das Kreuz angesprochen?
HM: Ja, das passiert auch. Einige haben erst die Assoziation zum Christentum. Aber eigentlich ist es eine andere Auslegung des Symbols und eine andere Ebene.
SM: Unser Gedanke war zudem, dass wir mit großen Hilfsorganisationen zusammenarbeiten könnten, aber das hat sich nicht ganz realisieren lassen, da wir als Start-Up nicht abschätzen können, wieviel wir letztlich Spenden können. Daher haben wir jetzt gesagt, dass wir pro verkauftem Kreuz 5 Euro an eine Hilfsorganisation spenden werden.
HM: Das kann natürlich auch eine regionale Organisation sein, wenn z.B. eine Flüchtlingsfamilie kommen würde, die Unterstützung braucht, dann könnte man auch dort helfen.
DIABOLO: Wie sehen denn ihre Zukunftspläne aus?
HM: Wie gesagt, wir haben schon Anfragen aus Amerika, die auf unsere Seite nagelkreuz.de schauen. Der Schwerpunkt ist jetzt Deutschland und dann England. Wir würden uns wünschen, dass es über die Nagelkreuzgemeinschaft hinaus wächst und viele Menschen das Kreuz als Zeichen der Versöhnung tragen würden.

Interview und Foto  |  Christoph Kienemann

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