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Wochenzeitung DIABOLO:
Würdiges Gedenken. Das Konzentrationslager Engerhafe bei Aurich02.11.2017



Im Jahre 1933 wurden die Bürgermeister von Engerhafe, Oldeborg, Upende und Fehnhusen (alle Orte in der Nähe von Aurich) gegen NSDAP-Mitglieder oder der Partei nahestehenden Personen ausgetauscht. Die Gemeinderäte wurden nicht mehr gewählt, sondern ernannt. Später, am 1. April 1938, wurden die vier Gemeinden unter dem Namen „Gemeinde Oldeborg“ zusammengelegt. Es waren wohl nicht genügend ‚qualifizierte‘, der NSDAP nahestehende, Personen vorhanden, um die Bürgermeisterposten zu besetzen. Auch im kirchlichen Bereich gab es Veränderungen. Hier versuchten der Pastor und die Kirchengemeinde, obwohl kritisch gegenüber den Nationalsozialisten eingestellt, sich mit dem Geist der damaligen Zeit zu arrangieren. Im Februar 1942 wurden der Pfarrgarten und das Pfarrhaus, beides mitten im Bauerndorf gelegen, von den Nazis beschlagnahmt. Ziel war zunächst, ein Lager für etwa 520 zwangsverpflichtete, ausländische Arbeiter zu errichten. Sie sollten Bunker in Emden bauen. Nachdem dieser Bunkerbau Ende 1942 weitgehend abgeschlossen war, stand das Lager zunächst leer.

Am 21. Oktober 1944 veränderte sich die Situation und das Aussehen des Lagers. Aus dem offenen Arbeitslager wurde ein hermetisch abgeriegeltes KZ-Außenlager. Ziel war es jetzt, Menschen für den Panzergrabenbau um Aurich herum einzusetzen. 2000 KZ-Gefangene wurden aus dem Konzentrationslager Neuengamme nach Engerhafe überführt und dort unter erbärmlichen Bedingungen eingesperrt. Viele von ihnen starben. Zur Wachmannschaft gehörten einige Angehörige der SS und etwa 50 Angehörige der Marine, sowie einige ältere Heeressoldaten. Die Lagerführung hatte ein SS-Scharführer inne.
Am 15. Dezember 1944 begann schließlich der Rücktransport von 600 Schwerstkranken nach Neuengamme. Auch auf diesem Transport starben noch etliche Menschen. Schließlich wurden auch die restlichen KZ-Insassen nach Neuengamme  überstellt. Das Lager in Engerhafe bei Aurich wurde am 22. Dezember 1944, nach zwei Monaten, aufgelöst. 188 der Insassen waren in dieser Zeit an der unmenschlichen Behandlung gestorben. Sie wurden zum größten Teil in Massengräbern verscharrt.
Im Oktober 2009 gründete sich der „Verein Gedenkstätte Engerhafe“. Er baute zusammen mit einigen anderen Organisationen eine Gedenkstätte für das Lager, mitten im Dorf und gleich neben der Kirche gelegen, auf.  Unter das Motto: „Warum? Umgekommen in Engerhafe“ hat der Gedenkstätten Verein vor einigen Tagen den 73. Jahrestag der Errichtung des Konzentrationslagers in Engerhafe, Kommando Aurich-Neuengamme, gestellt. Die Veranstaltung im Gulfhof Ihnen, gegenüber von Kirche und Friedhof gelegen, fand unter der Schirmherrschaft des Honorarkonsuls der Niederlande in Emden, Dr. Claas Brons, statt. Sie war mit über 200 Besuchern sehr gut besucht. Auch Johann Saathoff, Bundestagsabgeordneter der SPD, war unter den Zuhörern.
Ulrich Kohlhoff, 1. Vorsitzender des Vereins Gedenkstätte KZ Engerhafe, begrüßte die Zuhörer: „Wir versuchen, den Opfern hier in Engerhafe, soweit wie möglich, ihre Würde wieder zu geben.“  Besonders begrüßte Kohlhoff über zwanzig Angehörige und Nachkommen der ehemaligen Gefangenen. In Engerhafe seien Menschen aus 14 Ländern Europas festgehalten worden. Mehr als die Hälfte von ihnen seien inzwischen namentlich bekannt.  
In seinem Grußwort erklärte Schirmherr Claas Brons: „Man kann das eigentlich gar nicht verstehen, dass so etwas geschehen konnte.“ Und da man auch in der heutigen Zeit ähnliche Entwicklungen immer noch nicht ausschließen könne, sei das Gedenken eine dauernde Aufgabe. Für ihn sei es schwer erträglich, dass diese ganzen Unmenschlichkeiten unter den Augen der Bevölkerung, auch in Aurich und Engerhafe, passieren konnten.
Anschließend berichtete die Holländerin Jantsje Post über ihren Onkel Riens Westra, der am 30. November 1944 in Engerhafe umkam. Sie stellte sich und allen Zuhöreren die Frage: „Wie hätte ich mich damals verhalten?“ Es freue sie, dass man sich heute als Nachkommen der damaligen Opfer in Deutschland zum Gedenken treffe. Lilo Kessler erzählte dann über die Odyssee von Michel Grange aus Frankreich. Er sei im Widerstand gewesen, schließlich gefangen genommen worden und habe in Österreich und Slowenien Zwangsarbeit verrichten müssen, bis er im KZ Engerhafe interniert wurde, wo er am 9. Dezember 1944 starb.
Nach diesen Erinnerungen wechselten die Zuhörer zum weiteren Gedenken in die gegenüberliegende Kirche. Dort begrüßte die Gemeindepastorin Anika Langer sie: „188 Häftlinge sind hier an Hunger, Knechtschaft und Auszehrung gestorben.“ Für sie sei es wichtig, „in die Klage, die Wut und die Trauer“ über das Geschehene mit einzustimmen.
Nach einer Gesangseinlage, Motette Op. 74 von Johann Brahms, gesungen vom Singverein Emden unter Leitung von Gerhard Schoone, kam es zu einer besonderen Form des Gedenkens. Konfirmanden aus Engerhafe und Schüler der IGS Marienhafe-Moorhusen verlasen die Namen aller 188 Engerhafer Toten. Für jedes der 14 Länder, aus denen die Verstorbenen kamen, zündeten sie eine Kerze zur Erinnerung an. Eine beeindruckende Szene. Anschließend gingen die Jugendlichen, begleitet von allen Kirchenbesuchern, zum Gräberfeld der Verstorbenen auf dem Friedhof. Hier wurden die Kerzen vor den Namens-Stelen aufgereiht. Nach einer Gedenk- und Schweigeminute wurden die Kirchenglocken geläutet.
Wer wollte, konnte im Anschluss an diese würdige Erinnerungsveranstaltung zum geschehenen Unrecht noch im Gulfhof zu weiteren Begegnungen und zu Gesprächen über das noch immer Unfassbare zusammenkommen.

Kontakt: Verein Gedenkstätte KZ Engerhafe e. V. , www.gedenkstätte-kz-engerhafe.de

Text und Fotos  |  Joachim Mittelstaedt

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